Unverständlich

Manchmal wundere ich mich über unsere Medien. Frage mich, wie sie entscheiden, was berichtenswert ist und was nicht.

Beispiel Jemen. Dort tobt seit mindestens zwei Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen Rebellen, der Regierung sowie einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition. Doch während selbst Ableger von Al-Kaida in Syrien als gemäßigte Rebellen geführt werden und der Diktator Assad in jedem nur erdenklichen schlechten Licht dargestellt wird, herrscht lautes Schweigen zur Lage im Jemen. Und auch jetzt, wo dort hundertausend Menschen und mehr Gefahr laufen, Hunger zu leiden und daran zu sterben, beläuft sich die Berichterstattung darauf, dass Rebellen gegen die international anerkannte Regierung kämpfen. Frei nach dem Motto: Wir, der gute Westen, finden die dortige Regierung toll, die Saudis sowieso, also sind alle anderen böse.

Fein.

Beispiel Berlin und die Polizei.

Ich weiß gar nicht mehr, was ich davon halten soll, denn wenn auch nur ein Teil davon stimmt, wäre das ein katastrophales Zeichen für den Zustand Berlins. Anwärter, die kaum Deutsch können – es war zu lesen, ihre Kenntnisse seien „ungenügend“, was der Schulnote 5 entspricht. Zur Erinnerung, alles schlechter als 4 ist normalerweise durchgefallen. Anwärter, die Probleme mit Disziplin und Respekt haben – aber vermutlich eine enorme Ehre besitzen. Anwärter mit zweifelhaftem Frauenbild. Anwärter, die nicht schwimmen können.

Für manche Medien ist das aber nur ein ganz schönes Beispiel für Fake News. Einige der Verantwortlichen haben sich geäußert und das alles dementiert, insofern ist die Sache erledigt. Weshalb wohl auch gar nicht über die Praktikantin berichtet wird, die polizeiinterne Fahndungsphotos nach draußen weiterleitet. Und ja, auch sie gehört zu einer arabischen Großfamilie. Oder von der  Polizeivizepräsidentin Koppers, die für den gesundheitsschädigenden Zustand Berliner Schießstände verantwortlich ist, und sich von einem Anwalt vertreten lässt, der – sicherlich rein zufällig – arabische Clans vertritt.

 

In einer Welt, in der jeder Furz der AFD frisch aus der Unterhose berichtet wird, in der wir vermutlich noch Monate ohne Bundesregierung verbringen werden, in der keine Woche vergeht, in der eine Joggerin belästigt, misshandelt, vergewaltigt wird (sucht das mal bei der Zeit oder dem Spiegel. Spoiler: Gibt nüscht), scheint es wohl wirklich nicht genug Probleme zu geben. Unverständlich bleibt mir, nach welchen Kriterien berichtet oder verschwiegen wird.

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4 Antworten zu Unverständlich

  1. totallygamergirl schreibt:

    Ich kapier es auch nicht. So viel Mist wird aufgegriffen und Themen die zumindest ich als wichtig erachte, kehrt man gern unter den Tisch. Oder sie tauchen gleich weit unten auf den Startseiten auf, damit bloß niemand drauf aufmerksam wird.

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  2. Lehrercafe schreibt:

    Danke für diesen Beitrag. Wir verstehen die Entscheidungskriterien für oder gegen Berichterstattungen, sofern es überhaupt so etwas wie Kriterien gibt, auch nicht. Aber GEZ-Zahlungen eintreiben, klasse. Was bekommt man für sein Held? Staatsfernsehen. 🙈

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