Ernüchternd

Oder vielleicht doch eher erschreckend? Wie sonst soll man die Ergebnisse bezeichnen, die heute publik wurden?

Satte zehn Prozent der Grundschüler erreichen jeweils in den BereichenLesen, Zuhören und Mathematik nicht die Mindestanforderungen, über zwanzig(!) Prozent nicht im Bereich Orthographie! (Übrigens die Krätze über Wörter wie Orthografie!)

Da bleibt einem doch die Spucke weg, jedes fünfte Kind kann also nicht gescheit schreiben, eines von zehn weder richtig lesen noch rechnen? Wie soll es mit diesen Kindern dann weitergehen? Alle trotzdem aufs Gymnasium, da sie sowieso hochbegabt, aber nur missverstanden und verkannt sind? Oder vielleicht doch eher ein Leben am Rande der Gesellschaft, am Rande der Legalität?

Natürlich sind die Kinder hier nicht das Problem. Nur: Die Lehrer sind es ganz sicher auch nicht. Denn wer zusätzlich zum normalen Unterricht auch noch Inklusion und Integration wuppen muss, ohne zusätzliche Unterstützung durch geschultes Personal, wer Kindern zur Einschulung die deutsche Sprache beibringen muss, wo vor zwanzig, dreißig Jahren zur Einschulung jedes Kind eben diese bereits konnte und „nur“ noch der systematische Zugang sowie Vokabularerweiterung für den mündlichen Gebrauch notwendig waren, der steht vor allem vor einem: Dem Burnout.

Das Versagen sitzt deutlich höher. Wo bleiben flächendeckende Kindesbetreuung, kostenlose Kindergärten in staatlicher Trägerschaft, deren Besuch verpflichtend ist, in denen regelmäßig spielerisch Wortschatz etc. getestet werden und bei Bedarf Kinder zu zusätzlichen Förderstunden geschickt werden können? Denn eins ist klar: Ohne die Sprache zu beherrschen, kann man sich schulischen Erfolg abschminken. Also sollte ein Land ohne Rohstoffe doch alles daran setzen, dass zumindest dieses Mindestmaß an Anforderungen von allen Kindern erfüllt werden kann… oder?

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4 Antworten zu Ernüchternd

  1. Sylana schreibt:

    Oh, ja. bei mir rennst du grad offene Türen ein.
    In der Grundschule lernt man, wie man lernt. Punkt.Übung, Ausdauer, Konzentration. Kein Schnickschnack, kein Mandarin, kein sonst was. Deutsch, Mathe, Sachkunde (aka Heimatkunde). je eine Stunde Musik und Kunst dazu, plus zwei Stunden Werken und Sport. Schluss, aus, Ende. Mehr braucht der Grundschüler nicht. Mehr kann er auch nicht, Mehr muss er auch nicht. Einen wirklich Hochbegabten kannste auch nachmittags fordern, indem er noch was zusätzliches seviert bekommt.

    Hausgemachtes Problem, denke ich. Indem immer mehr zusätzliche Anforderungen in Form von immer mehr zusätzlichen Fördermöglichkeiten entstehen, werden viele Kinder mit der extremen Vielfalt überfordert. Weniger ist mehr. Denn wenn die grundlegenden Lernmethoden sitzen, dann wird das später auch nicht zum Problem.

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  2. Lehrercafe schreibt:

    Lieber pimalrquadrat, wir danken dir von ganzem Herzen für diesen Beitrag. Du triffst den Nagel auf den Kopf, so dass wir dir vollumfänglich zustimmen können, ja müssen.
    Es ist wirklich erschreckend, in welchem Desaster sich die gesamte Bildung befindet. Der heutige Blick in die Grundschulen zeigt die Basis des Chaos, welches geordnet wird von machtbessenen Menschen, die von Bildung soviel Ahnung haben wie bspw. der Friseur vom Auto reparieren. Danke, dass du für unsere Berufsgruppe in die Bresche gesprungen bist und uns den Rücken stärkst. Du hast es bereits erfasst, was uns wirklich zermürbt. LG aus dem Lehrercafe, Alexa und Ela

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  3. Wortman schreibt:

    Da wird sich auch nicht viel dran ändern…. immerhin habt ihr Ich mach nix Merkel wiedergewählt 😉
    wie soll das auch funktionieren, wenn Kinder eingeschult werden, die nicht mal unsere Sprache im brauchbaren Ansatz beherrschen bzw. in höheren Klassen reingesetzt werden?
    Als Lehrer hast du da keine Chancen. Da kannst nur versuchen, die Guten nach vorne zu bringen, den Rest liegen lassen.

    …Alle trotzdem aufs Gymnasium, da sie sowieso hochbegabt, aber nur missverstanden und verkannt sind?…
    DAS ist ein weiteres Problem von idiotischen Eltern.

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  4. Zeilenende schreibt:

    Das IQB ist doch die Behörde, die für die Weiterschreibung der Bildungsstandards zuständig ist, oder? Dementsprechend haben die natürlich ein Interesse daran, dass die Ergebnisse nicht besser werden, weil ihre weiterentwickelten Standards so gut sind, dass sie erst einmal nicht weiter verbessert werden müssen. So muss natürlich sehr intensiv Ursachenforschung betrieben werden. Gerade in der Pädagogik ist Statistik eine Waffe, schon vergessen?
    Man schaue sich einfach mal an, dass das Merkmal „mit Migrationshintergrund“ um knapp 10% gestiegen ist (sagt der SpOn-Artikel) und frage sich dann einmal, ob die „Durchschnitts-SuS“ wirklich immer dümmer werden oder wir hier einen Fall statistischer Verzerrung haben.
    Dass sich was ändern muss, ist klar, damit aus einem potentiellen Knick kein Abwärtstrend wird. Aber ein skandalöses Ergebnis mit Blick auf den Bildungsstand am Ende der Grundschulzeit allgemein sehe ich in der Studie nicht. Und ansonsten gilt immer noch der ironische Ausspruch des Sokrates: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

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