Von Interessen

Während sich Martin Schulz dafür ausspricht, Ungarn und co. notfalls mit Sanktionen zu begegnen, sofern sie nicht aufhören, sich gegen geltendes Recht zu widersetzen *hustdublin3hustmerkelhust*, und Manuela Schwesig derart viel Vertrauen in das – maßgeblich von der SPD mitgestaltete – öffentliche Bildungssystem besitzt, dass sie ihr Kind lieber auf eine Privatschule schickt, anstatt ihm die Freuden der gelebten Inklusion und Integration zu gönnen, denke ich mir, dass mich der Kram am Allerwertesten kann.

Wahlen ändern auf absehbare Zeit in Deutschland gar nichts mehr.

 

Stattdessen widme ich mich heute dem Thema der Interessen. Also, meiner Interessen. Selbstverständlich bin damit nicht ich selbst gemeint, denn so interessant bin ich gar nicht, ganz im Gegenteil.

Aber in letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie schwierig es doch ist, Menschen zu finden, mit denen man seine Interessen teilen kann. Ok, sähe ich mir Game of Thrones an, fiele es mir sicherlich leicht(er), gleichgesinnte Menschen zu finden. Da ich jedoch bei Serien, sieht man einmal von House of Cards und den beiden Serien Blindspot und Shades of Blue (nicht zu verwechseln mit den 50 Schattierungen der Hausfrauen!), die ich demnächst beginnen werde, ab, alles andere als auf einem aktuellen Stand bin, sondern einige Jahr(zehnt)e hinterherhinke, ergeben sich daraus eher seltener Gesprächsthemen. Abgesehen natürlich von meinen lieben Mitbloggern, ihr seid die die Regel bestätigende Ausnahme! 🙂

Dennoch gilt auch für Bücher, dass es mir schwer fällt, Leute mit einem ähnlichen Geschmack zu finden. Bzw. kennen viele die Bücher, die ich lese, gar nicht. Da kann man sich also nur schwer drüber unterhalten. Videospiele sind zwar ein aktuelles und spannendes Thema, aber auch hier erschweren es persönliche Vorlieben, mehr als nur oberflächliche Gespräche zuzulassen. Was will man auch machen, wenn die komplette Umwelt nahezu ausschließlich auf PC zockt, und ich halt ein Konsolero der allerfeinsten Nintendo-Sorte bin?

Die exotischeren Dinge, wie Go oder Tak, brauche ich da gar nicht erst zur Sprache zu bringen. Die kennen noch viel weniger Leute, spielt kaum jemand, und für die lässt sich auch nur sehr schwer jemand begeistern. Mein Faible für und mein Interesse am Erlernen von Finnisch wird bestenfalls kopfschüttelnd kommentiert, wenn überhaupt. Ein wenig schade finde ich das schon, aber da lässt sich wohl nichts dran ändern.

Weshalb es mich auch nicht hätte überraschen dürfen, dass sich niemand wirklich findet, der sich auf ein TCG – ein Trading Card Game – einlassen würde. Sinn und Zweck des Spiels ist es, Karten zu sammeln, sich daraus ein eigenes Deck zusammenzustellen und damit gegen Mitspieler anzutreten. Für die internetaffine Jugend von heute, so etwas wie Hearthstone oder Gwent, nur IRL. Und für die älteren: Sowas wie Magic the Gathering.

Naja. Wahrscheinlich hätte ich mit Magic bessere Chancen gehabt. Nur finde ich die Karten dort ästhetisch nicht so ansprechend wie bei Force of Will – ja gut, ich gebs ja zu, ich bin oberflächlich! – und der Mana Screw bzw. Mana Flood nervt mich schon in der Theorie. Ein Glück, dass der bei FoW nicht möglich ist.

Wie dem auch sei, ich habe mich ein wenig im Freundeskreis umgehört, und mit Müh und Not einen Kumpel dazu bringen können, sich eine sder neuen Starterdecks zu besorgen. Gespielt haben wir aber – wie könnte es anders sein – noch nicht. *seufz*

Ironischerweise spricht mich das Prinzip des TCG besonders an. Ich bin ein Sammler. Wie er im Bilderbuche steht. Ich sammle, seit ich denken kann. Ich sammle Dinosaurierfiguren. Ich sammelte Herr der Ringe-Bleifiguren. Ich sammelte Saint Seiya Myth Cloth-Figuren. Nebenbei bemerkt, wer das googlet, der möge bitte nicht erschrecken. Ja, die Dinger haben eine eigene Ästhetik, und ja, die Dinger sind nicht günstig. Aber ich verbinde mit der zugehörigen Serie sehr viele, sehr gute und sehr tiefgreifende Erinnerungen. Ich sammle leidenschaftlich Bücher. Ich sammle sogar in Videospielen, weshalb Pokémon das ideale Spiel für mich war – und manchmal auch noch ist. Ich horte Tränke und Gegenstände in RPGs, denn man könnte sie vielleicht mal brauchen, und nutze sie dann doch nie.

Vielleicht ist das ein Symptom einer verborgenen Störung, vielleicht auch nur ein Zeichen von Habgier, wer weiß. Fakt ist, ich sammle gerne. Und das allein macht ja bereits die Hälfte eines TCGs aus, nämlich das Sammeln von Karten. Ich gestehe, allein das macht mir bereits ein Stück weit Spaß. Die verschiedenen Motife und Charaktere, zum Teil mit eigener Geschichte und natürlich die Möglichkeiten, die Fähigkeiten miteinander zu kombinieren.

Die zweite Hälfte des Spaßes besteht darin, sich ein eigenes Deck zusammenzustellen und damit gegen Freunde zu spielen. Zu sehen, wie die sich überlegte Strategie funktioniert und ob sie sich auch so umsetzen lässt wie geplant. Und genau auf diesen Teil werde ich wohl noch eine ganze Weile verzichten müssen. Denn FoW ist zwar durchaus bekannt und wird auch gespielt, in meinem näheren Umfeld findet sich aber kaum etwas, und wenn, dann zu Zeiten, an denen ich verhindert bin. Im Freundeskreis hält sich das Interesse stark in Grenzen.

Am Ende des Tages bleibt mir immerhin die Kartensammlung.

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13 Antworten zu Von Interessen

  1. Lehrercafe schreibt:

    Traurig ist zu diesem Thema festzustellen, dass sich im Laufe des Lebens auch immer mal wieder Freude aus gemeinsamen Aktivitäten verabschieden, da sich die Interessen verlagern. Das ist manchmal gar nicht nachvollziehbar, manchmal aber doch. Wenn man bspw. eine Familie gründet, ist häufig eine Veränderung von Interessen zu beobachten. Verständlich. Und schön auch, wenn man sich dann auch selbst mal auf etwas Neues einlässt und dadurch Abwechslung im Leben erfährt😊

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Das kommt natürlich auch noch dazu, ja.
      Und natürlich liegt es oftmals einfach „nur“ am Leben, wie du ja auch schreibst. Wer Kinder hat, hat für vieles einfach nicht mehr dieselbe Zeit wie vorher, was ja auch vollkommen in Ordnung ist. 🙂

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  2. Sylana schreibt:

    Oha, das Lesen. In meinem realen Leben gibt es kaum jemanden, der mit meiner bevorzugten Lektüre was anfangen kann. Um so genialer ist natürlich der virtuelle Austausch. Ähnliches Problem habe ich mit der Lesegeschwindigkeit. Ich kann mit Leuten die ein halbes Jahr für EIN! Buch brauchen nicht über Bücher reden, weil ich bin denen ja 30 Bücher voraus. So in etwa.
    Apropos, war da nicht noch ne Lektüre versprochen? 😉
    Serien im TV, da bin ich auch nicht immer auf dem Neuesten, aber auch da kenne ich viele Leute, mit denen ich mich sehr gut verstehe, und gut reden kann – mit denen ich mich aber im Leben nie auf ein Fernsehprogramm einigen werde.
    Was bei mir jetzt wieder auflebt, sind die Spieleabende, weil die meisten Kinder im Freundeskreis jetzt mittlerweile ein Alter erreicht haben…..wo sie trotzdem erst nach den Eltern daheim sind.

    PS: Das ist keine Störung. Man nennt es Steinzeitsyndrom. Jäger und Sammler.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Kommt mir bekannt vor. ^^
      Und ja, dieses Lesen über Monate hinweg, das versteh ich meist nicht. Wobei mir manchmal auch was dazwischen kommt, oder einfach der Kopf fehlt.
      Die ist in Arbeit, vermutlich am Wochenende. 🙂

      Und natürlich hast du recht, online finden sich Gleichgesinnte, sodass man zumindest über Interessen reden kann. Das ist viel wert!

      Haha, ja, Geschmäcker sind auch bei Film&TV sehr unterschiedlich. :mrgreen:
      Die Spieleabende find ich richtig toll, das hat mir als Kind immer viel Spaß gemacht. Und es ist ja auch Zeit, die man mit Leuten verbringt, die man gerne hat. Eigentlich müsste ich auch mal wieder Mensch ärgere dich nicht spielen, das letzte Mal liegt auch schon weit mehr als zehn Jahre zurück.

      Ja, da hast du natürlich recht. 😉
      Es ist bei mir nur sehr stark ausgeprägt. *pfeif*

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      • Sylana schreibt:

        Was bedeutet, das du, gemäß Darwins Lehre, ein guter Jäger und Sammler, bist. Demzufolge würdig…..alles mögliche zu tun. 😉
        Ich bin doch auch Sammler. Stoffe. Bücher. Bastelmaterial. Schneeglöckchen (Gib zu, die sind hübsch)
        Und wehe, es vergreift sich einer an den Sammlungen!

        Merkwürdig ist es aber schon, grad wenn ich auf Arbeit, oder bei Freunden/Bekannten als ehrlicher Mensch zugebe, das ich bei den Grauschattierungen ca. auf Seite 25 eingeschlafen bin. Wer mich kennt, weiß auch, was das bedeutet. Viele fanden das Buch gut. Hm. Ich passe nicht ins Schema. Bücher werden bei mir entweder hintereinander weg, oder gar nicht gelesen. O.k., kommt schon vor, das mal eins länger auf dem Stapel liegt, bevor ich anfange.

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Naja, aber da sind wir beim Darwinismus, und natürlicher Auslese, und das ist ja alles ganz böse. Wir sind alle gleich gut und gleich schlau und gleich schnell. 😉

          Ich gebs ja zu! 😳
          Ja, meine Sammlungen gebe ich auch nicht so gerne in fremde Hände, da bin ich bei dir.

          Naja, viele fanden ja auch Twilight gut. *pfeif*
          Ich hab ja beides nicht gelesen und kann deswegen nur aus der Ferne lästern.
          Meist lese ich meine Bücher auch am Stück, so gut es geht. Manchmal kommt aber was dazwischen, und dann kann es auch mal ein paar Tage bis Wochen dauern, ehe ich weiterlese.

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  3. Zeilenende schreibt:

    Du darfst mir irgendwann Tak beibringen. Versprochen. 🙂
    Ansonsten kenne ich aber ganz gut, was du meinst. Für uns ist das Internet erfunden worden. Und die diversen Conventions im kleinen oder großen Rahmen. Wer exotische Interessen hat, so die leidvolle Erfahrung, muss eben suchen, bis er andere, ebenso verrückte Menschen findet … Oder sich zusätzlich neue Interessen zulegen.

    Irgendwie klingt das schrecklich. Sorry, ich bin heute irgendwie fatalistisch angehaucht.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      🙂

      Ja, für uns Nerds ist das Internet ein sehr schöner Spielplatz, weil sich hier sehr viel leichter Gleichgesinnte finden lassen. Cons sind ein weiterer Punkt, da muss ich auch mal eine besuchen.

      Neue Interessen? Ja genau darum geht es ja, find mal Leute, die die neuen teilen. 😛 😉

      Ach, Kopf hoch, das ist doch alles richtig, was du schreibst. Und gegen Fatalismus hilft zur Not auch einfach die Decke über den Kopf und Füße aus dem Bett baumeln lassen. Morgen sieht die Welt wieder besser aus. 😉

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      • Zeilenende schreibt:

        Erst die Leute, dann die Interessen. Das meinte ich mit schrecklich. GoT gucken und so … Und das ist schon hart an der Grenze zum Zynismus. Aber es klappt. Achja …
        Und die Welt schaut eigentlich gut aus. Ist nur so kalt. Der Winter naht. 😅

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ich gestehe, ich kann dir nicht folgen. 😳
          Erklärs mir noch mal, und morgen, wenn ich das lese und nicht mehr so müde bin, verstehe ich dich sicherlich. 🙂

          GoT will ich nix von hören, erst die Bücher. *augenohrennasezu*

          Stimmt, es wird frisch. Aber ich hoffe, dass der Winter sich noch etwas Zeit lässt, ich hab gerade erst das Gefühl, in 2017 angekommen zu sein, und schon ist es wieder um. *seufz*

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        • Zeilenende schreibt:

          Ich meine es so: Such dir ein Interesse, das massenkompatibel ist und du hast ein tiefgreifendes Gesprächsthema mit anderen Menschen. Oder zumindest bessere Chancen auf eine gemeinsame Basis. Mit anderen Worten: Lass die Mehrheit bestimmen, was dich begeistern darf. Das ist die Formel für sozial akzeptierte Möglichkeiten, rumzunerden.

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Du meinst also, ich solle entweder mich selbst ändern, damit ich bei möglichst vielen Menschen ankomme? Also zum toten Fisch werden und mein Dasein als lebendiger Waschbär aufgeben?

          Ne, ne, da bleib ich lieber in meinem Keller allein mit meinen Interessen. Das ist zwar oft genug frustrierend, aber so kann ich mir getrost morgens nicht in den Spiegel schauen, ohne mich deswegen schlecht zu fühlen. 😉

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        • Zeilenende schreibt:

          Genau das meinte ich. Aber ich kann die Entscheidung verstehen ein Waschbär zu bleiben. Den mag ich lieber. ☺

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