Das letzte Problem

Mit einiger Verspätung habe ich nun also das Finale der vierten Staffel von Sherlock gesehen.Im Folgenden kommen einige Eindrücke, und auch Spoiler sind gesichtet worden. Betreten also nur auf eigene Gefahr. 😉

 

 

 

Die Staffel begann ja mit einer Episode, die ich insgesamt etwas fad fand. Der „Fall“ zu Beginn der Thatcher-Geschichte – Sohn, Auto etc. pp. – war sauleicht zu durchschauen, wohingegen das erneute Auftreten des „Mary“-USB-Sticks mich fast schon genervt hat. Ich fand, diesen Subplot hatte man bereits zum Ende der dritten Staffel sehr gut abgehandelt, und wäre eigentlich sehr glücklich damit gewesen, dass es dabei bleibt.

Die Konfrontation mit dem eigentlichen Schuldigen und Bösewicht hat mich sehr stark an eine Folge von Detectiv Conan erinnert, sodass sich ein ganz bestimmtes Szenario bereits abzuzeichnen begann, als Sherlock und Mary sie stellen. Für Kenner und/oder Interessierte: In „Mord bei Mondschein“ und einem deutlich späteren Fall geht es darum, durch Deduktion Tatverdächtige zum Äußersten zu treiben. Nichts anderes hat sich Sherlock hier geleistet, und auch das war leicht zu durchschauen…

Außerdem fand ich die Folge rückblickend ziemlich morbide, da sich die Darsteller der Watsons ja auch im richtigen Leben getrennt haben, und ich mir die Frage gestellt habe, wie es wohl gewesen sein muss, diese Art der Trennung auf der Leinwand darzustellen.Weshalb ich übrigens von der Leistung Freemans angesichts von Marys Tod auch absolut nicht überzeugt bin, im Gegenteil. Dass er seinen Urschrei lässt, von mir aus. Aber dass seine erste Reaktion danach Aggression und Vorwürfe an Sherlock sind? Nope, das passt mir gar nicht. Ebensowenig wie sein Fremdflirten.

 

Die nächste Folge ist insgesamt ganz gut, auch wenn mich etwas stört, wie einfach Sherlock in Watson liest, sodass er quasi Wochen im Voraus planen kann, was dieser tun wird. Er ist zwar ein hochfunktionaler Soziopath, aber irgendwo muss man auch Grenzen ziehen. Sonst durchaus unterhaltsam, und natürlich mit einem großen Cliffhanger.

 

Tja, und dann das Finale. Endlich würden die Geheimisse um Eurus – ich finde dennoch, dass „Euros“ schöner klingt und auch schöner ausschaut – und Moriartys Rückkehr(?) gelüftet werden, richtig?

Ich gestehe, ich fand einen großen Teil der Folge richtig, richtig gut. Die Art und Weise, wie Sherlock und Mycroft in ihrem eigenen Spiel geschlagen werden, die Synergie zwischen Eurus und Moriarty – der Kerl fehlt irgendwie ^^ – und die Skrupellosigkeit der Holmes-Schwester, das fand ich fein, und auch die Enthüllung um Rotbart hatte durchaus etwas Schockierendes an sich, was wiederum den Charakter von Eurus unterstrich. Weniger gut gefielen mir all die kleineren Logikprobleme – wie überstehen Sherlock und Watson den Sprung aus den Fenstern, wie kommt Eurus von der Insel, ohne, dass es auf Radar etc. pp. auffällt, wieso fällt niemandem auf, dass eun führerloses Flugzeug sich sicherlich nicht so ohne weiteres London nähern kann – und das Ende. Die Enthüllung, dass es die ganze Zeit nur um ein paar Umarmungen und etwas Aufmerksamkeit ging, das lasse ich vielleicht für Rotbart gelten. Aber nicht für alles, was danach kam. Das entwertet in meinen Augen die Figur der Eurus. Und es nimmt, zusammen mit dem „Happy End“ auch einiges vom emotionalen Impakt, den die Ereignisse auf die Figuren haben. Wo werden all die Toten reflektiert, welche sie auf dem Gewissen hat? Wo wird noch einmal aufbearbeitet, was es für Folgen hat, dass Sherlock Molly zu diesem Geständnis gezwungen hat? (Übrigens eine besonders famose Szene, ich finde, die grausamste in der ganzen Folge). Nope, das findet keinerlei Eingang, stattdessen versöhnt sich Familie Holmes. Und letzten Endes war auch des Teufels Beitrag zu Gottes Werk ziemlich gering. Ein paar Videobotschaften, und das wars? Ein wenig schade. Und auch wenn die Metapher rund um das Flugzeug durchaus passend erscheint, hätte ich mir hier tatsächlich mehr Mut gewünscht. Warum nicht wirklich einen Absturz? So blöd es klingt, aber es GIBT absolut boshafte Menschen, und manchmal geschieht das ganz jenseits von Moralvorstellungen, oder gar Gründen. Was man mit dem ach so wohltätigen Culverton Smith begonnen hat, hätte man durchaus konsequent beenden können: So sehr sich Sherlock und Watson bemühen, es gibt immer Menschen, es wird immer Dinge geben, die sie weder verhindern noch gutmachen können, und es hätte zur Entwicklung der Figuren in dieser Staffel gepasst, da sie mit ihren großen Schwächen konfrontiert werden und an diesen wachsen (ok, Johns Reaktion auf Marys Tod hätte ich auch anders gestaltet, aber gut).

Und es hätte der in meinen Augen großartigen Leistung von Sian Brooke einen letzten Federstreich verpasst, denn ich fand sie wirklich großartig und beängstigend gut gespielt.

 

Tja, und nun? Ein wenig Zwiespalt ist schon da, denn ich sehe vertane Chancen und nach wie vor gute Ideen und Handlungen. Trotzdem hat die Serie vielleicht ein ordentliches Ende erreicht, und es kann etwas Neues kommen?

Was meint ihr dazu?

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10 Antworten zu Das letzte Problem

  1. Sylana schreibt:

    Ich mein dazu: 😉

    Irgendwie ist die Serie komplett an mir vorbeigegangen. Soll heißen, ich hab nicht eine Folge gesehn. Hm. Soll ich noch?

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  2. itsmilkid schreibt:

    Ich schau seit fast zwei Jahren das erste mal wieder auf deinen Blog. Ist ja ganz schön gewachsen hier! Good job 🙂

    Hatte ganz vergessen wie gut Du das mit dem schreiben drauf hast! Ich hab die Serie übrigens auch nicht gesehen aber suche nach etwas Neuem für schlaflose Nächte! (Den Satz merk ich mir für ein potentielles Online-Dating-Profil!)

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Danke! 😳

      Haha, dann mach mal, von wegen Profil. XD
      Ansonsten, Buffy empfehle ich in letzter Zeit häufig, ebenso wie „Avatar, der letzte Luftbändiger“ und die Folgeserie „Die Legende von Korra“. 😉

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  3. Ich hatte vor einiger Zeit begonnen die Serie zu schauen, da alle davon sprachen. Jedoch waren mir einige Szenen und Handlungen sehr in die Länge gezogen, sodass es mich eher langweilte. Daher gab es für mich auch keine Fortsetzung und hörte für mich bereits nach der zweiten oder dritten Folge auf. ^^

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  4. Sarisa schreibt:

    Ich freu mich, dass Du wieder schreibst, aber für den Rest bin ich nicht wirklich qualifiziert – ich habe nämlich keine einzige Folge gesehen. 😀
    Jetzt stelle ich mir dieselbe Frage wie Sylana: Soll ich noch?

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  5. Sehr schön zusammengefasst – ich kann dir in Vielem zustimmen! 🙂 Ich persönlich fand Folge 2 am unterhaltsamsten (über Folge 1 reden wir nicht, die fand ich ziemlich öde…), aber du hast recht, dass auch Folge 3 faszinierend war. Genau wie du haben mich aber auch die Logikschwächen gestört, allen voran, wie Sherlock und Watson wieder von der Insel heruntergekommen und dann im Papphaus bzw. Brunnen aufwachen. Das habe ich nicht verstanden. Alles in allem hat sich für mich das Ende von Folge 3 schwer nach Serienende angefühlt. Bin gespannt, ob da noch eine Staffel 5 kommt…

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Danke! 🙂
      Ja, genau, solche Logikbrüche waren wir bisher nicht gewöhnt. Oder nicht in diesem Ausmaß.
      Den Eindruck teile ich, auch ich fand, dass es sehr nach einem Ende klang. Einerseits schade, denn es war über sehr weite Strecken eine famose Serie. Andererseits, manchmal ist es besser, zu gehen, bevor die Qualität einbricht.

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      • Das ist immer die Krux: Wann soll man eine erfolgreiche Serie beenden? Am besten natürlich auf dem Höhepunkt, aber da geht einem natürlich viel Geld durch die Lappen. Andererseits werden Serien dadurch zu echten Legenden. Wir werden sehen, ob Sherlock nochmal zurückkehrt…

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