Von Übersättigung

Nach einigen doch eher kurzen Beiträgen heute der Versuch eines längeren, deswegen aber nicht unbedingt kohärenteren, Textes zu einem bestimmten Thema. Das der Übersättigung.

Aber was meine ich damit? Hab ich mich (mal wieder) so sehr vollgefressen, dass ich mich nur noch mit Mühe auf mein Bett rollen und zum zwölfstündigen Verdauungsschlaf bewegen kann? Ihr wäret überrascht, wie oft das bereits geschehen ist, aber das liegt alles in der Vergangenheit.

Nein, es geht um die mediale Übersättigung. Als Nerd/Geek – ich hab den Unterschied nie richtig verstanden, und um ehrlich zu sein, er ist mir auch egal – habe ich ähnlich wie einige meiner Leser sehr ausgeprägte Interessen für Filme/Serien, Bücher und Games. Und genau darum soll es nun gehen, wobei ich mich auf Games konzentriere. Filme schau ich viel zu wenig, bei den Serien bin ich recht harmlos, und von Büchern bekomme ich selten genug.

 

Die Videospielbranche ist ein Industriezweig mit teilweise gigantischen Budgets und einem Hauptcharakteristikum: Stetiger Wandel. Alle Jahre wieder gibt es neue Konsolen und Geräte, und auf diesen erscheinen dann Ableger bekannter und beliebter Serien, aber auch grandiose Neuentwicklungen. Für einen Spieler ist dieser Wandel eigentlich etwas Positives, weil somit für einen steten Nachschub gesorgt ist ebenso wie für selten aufkommende Langeweile. Wenn ein Spiel erledigt ist, erscheint mit Sicherheit binnen Tagen oder Wochen ein anderes, das einem zusagt.

Hat man einen breit gefächerten Geschmack – so wie ich ihn mir nun einfach zuspreche – oder besitzt mehr als eine Spielekonsole, so ist es sogar noch einfacher, Nachschub zu bekommen. Egal ob Platformer, RPG, Action-Adventure, es gibt immer ein neues Spiel, immer neue Welten zu erkunden und Geschichten zu erleben.

Doch genau das wird zum Problem, wenn irgendwann die Frequenz der Neuerscheinungen in Kombination mit der Amplitude an interessanten Spielen groß genug sind, dass sie die Fähigkeit, Spiele auch zu beenden, übersteigen. Wenn ein Spiel 60 Spielstunden benötigt, um abgeschlossen zu werden, und ein Spieler wie ich dafür sechs Wochen bräuchte (eher mehr), in diesen aber wiederum zwei bis drei neue Spiele erscheinen, erkennt jeder, worauf das hinausläuft. Auf einen stets wachsenden Stapel ungespielter Sachen.

Das ist einerseits lästig, weil damit die Qual der Wahl größer wird, was als nächstes zu spielen ist. Andererseits lähmt es auch. Überlegungen wie „Spiele ich jetzt XCom fertig, immerhin bin ich da schon gut vorangeschritten“ oder „Eigentlich sollte ich mal MGS 2 weiterspielen“ hin zu „Geil, Transformers Devastation, back to childhood!“ sorgen dafür, dass am Ende des Tages oft etwas ganz anderes die Gamingzeit beansprucht und ich doch zu Splatoon oder Mario Kart zurückkehre. Warum? Weil diese Spiele sofort Spaß machen, einen raschen Einstieg auch nach längerer Abstinenz ermöglichen und, so fesselnd sie auch sind, problemlos für ne Woche oder einen Monat liegen bleiben können. Wohingegen Spiele mit Story oder komplexerem Gameplay erst einmal wieder eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen, bis ich wieder im Flow bin.

Komplexe Spiele sind toll, versteht mich nicht falsch! Ich liebe Xenoblade Chronicles, und auch der Nachfolger ist noch gut. Mit Uncharted und dem Tomb Raider-Reboot hatte ich wahnsinnig viel Spaß (ich verfluche noch immer diejenigen, die Rise of the Tomb Raider nicht auf PS3 veröffentlichen wollten! 😡 ), und manch ein RPG fesselt mich locker 60 Stunden und mehr. Jedoch ist es zunehmend anstrengend, sich auf ein so umfangreiches Abenteuer einzulassen. Wenn ich meinen Stapel anschaue, sehe ich ein gutes Dutzend RPGs, die noch unbespielt sind. Bei einer durchschnittlichen Spielzeit von 60 Stunden und gefühlten 5-10 Stunden Gaming die Woche bin ich entsprechend lange damit befasst. Ausschließlich damit befasst. Spiele ich zwischendurch ein Fun-Game wie Mario Kart, verzögert es sich nur noch weiter. Insofern hadere ich öfter als mir lieb ist mit dem Gedanken, ein Spiel anzufangen. Denn ich weiß, dass es mehr und mehr eine Zeitinvestition ist, die mich über Wochen und Monate fesseln wird.

Vor ein paar Jahren war dieses Problem nicht so ausgeprägt. Warum? Einerseits, weil ich deutlich mehr Zeit hatte, um zu zocken. Da war es dann auch kein Problem, mehrere Spiele parallel zu spielen, oder eben eines konzentriert von A bis Z in deutlich kürzerer Zeit als heute zu beenden. Andererseits hatte ich damals auch sehr viel weniger Mittel, um Spiele zu kaufen. Da gab es dann vielleicht zwei oder drei im Jahr, und die mussten dann vorhalten. Oder wurden dann zwei- oder dreimal von vorne gespielt. Heute geht das nicht mehr. Die Spiele werden länger und umfangreicher, die Spielwelten größer, reichhaltiger mit immer mehr Möglichkeiten, Nebentätigkeiten und Sidequests.

 

Ich geh dann mal lesen.

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19 Antworten zu Von Übersättigung

  1. fraggle99 schreibt:

    Diese Problematik kenne ich nur zu gut! Wenn ich mir nur meine Steam-Bibliothek ansehe… Angesichts der hohen Anzahl an Spielen, die dort zu finden sind, die ich aber wenig bis gar nicht gspielt habe, überkommt mich ein leicht schlechtes Gewissen. Selbiges gilt für meinen SuB.

    Und die zunehmende Dauer der Spiele wird auch für mich zum Problem. Erst in dieser Woche habe ich mit „Enderal“ den nächsten Zeitfresser angefangen – wenigstens ist das aber kostenlos! 😉

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Hm, wordpress scheint wirklich gerade zu spinnen, du warst doch auch freigeschaltet…

      Achja, Steam, da gestehe ich, bin ich froh, nicht auch noch unterwegs zu sein, das macht alles nur noch schlimmer, oder? XD
      Und dann ist ja auch die Qualität mittlerweile sehr hoch, und viele Indie-Spiele sind richtig, richtig gut!

      Worzum gehts denn bei „Enderal“? Kenn ich gar nicht… ^^‘
      Zeitfresser, davon gibt es aber echt immer mehr. Skyrim, Red Dead Redemption, und wie sie alle heißen, stapeln sich hier.
      Da merkt man, wie zeitintensiv so ein Hobby doch ist.

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      • fraggle99 schreibt:

        Ja, WordPress macht manchmal lustige Sachen! Bei mir frisst es z. B. dauernd Besucher – also im übertragenen Sinne. 😉 Die Summe der Tagesaufrufe entspricht nie den angeblichen Wochenaufrufen usw. Man gewöhnt sich dran…

        „Enderal“ ist eine Total Conversion von Skyrim, d.h. die Programmierer haben mit dem technischen Grundgerüst von Skyrim ein komplett neues Spiel gebaut. Es sieht halt aufgrund der Engine sehr nach Skyrim aus – nur in hübsch! 😉 Und *mit* Handlung! Schönes Spiel, leider nicht für Konsolen! 😛 😉

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Noch mal Glück gehabt, dass es nicht wörtlich ist. XD

          Ja, es ist halt etwas verstörend, sowohl für euch, wenn euer Kommentar nicht gleich erscheint, als auch für mich, wenn ich euch zum zweiten, dritten oder zigsten Mal freischalten darf. ^^‘

          Hm, das klingt ja interessant. Die Engine von Skyrim ist ja ganz nett anzuschauen, und da lässt sich sicherlich was Feines mit anstellen! 🙂
          Aber wie ist das eigentlich rechtlich, das Grundgerüst einfach so zu mopsen?

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        • fraggle99 schreibt:

          Rechtlich ist das Ganze kein Problem, weil SureAI, also die Entwickler, für Enderal kein Geld nehmen, Spenden sind natürlich willkommen. 😉 Darüber hinaus hat Bethesda selbst den Skyrim-Usern ein Mod-Kit zur Verfügung gestellt, womit sich fachkundigere Menschen als ich es bin, das Spiel nach ihren Bedürfnissen abändern können. Nicht zuletzt deswegen ist Skyrim bis heute so beliebt! An der komplexen Geschichte kann´s ja nicht liegen! 😉

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ah, ok! Wusste ich nicht, hätte ja auch anders sein können. ^^‘

          Ach, ich hab Skyrim ja noch nicht gespielt, kann also noch nichts dazu sagen. 😉

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  2. Sylana schreibt:

    Na, so ist es richtig!

    Im Zweifelsfall lesen.
    Und ich glaub das ist auch das Problem, das ich beim Zocken habe: Das dauert mir zu lange bis ich durch bin. Ich bevorzuge kurze Sachen. Hab ja schließlich noch paar analoge Hobbys. 😉
    PS: Wie siehts denn aus, an der Mailbeantwortungsfront?

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Gell? 😀

      Kurz geht, lang auch. Aber es ist die generelle Tendenz. Weiß auch nicht, ich hab auch ein paar Spiele beendet, die dann um die 5 Stunden gedauert haben. Das war irgendwie erfrischend, weil sich doch die Tendenz zum immer größer, weiter, höher, schneller, etc. pp. abzeichnet.

      Mails kommen im Laufe der Woche, versprochen! 🙂

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  3. bullion schreibt:

    Auch ein Grund, warum ich das Hobby an den Nagel gehängt habe. Ist einfach keine Zeit mehr für…

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Jepp, das ist echt erschreckend, wie sich das entwickelt. Und zugleich gibt es mehr und mehr Spiele, die interessat sind.
      Jedenfalls denk ich auch darüber nach, zumindest für ein paar Jahre auszusteigen und den Stapel abzuspielen…

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  4. totallygamergirl schreibt:

    Kenne ich selbst auch sehr gut. Mit den Kids bleibt einfach kaum Zeit. Dazu kommt das miese Schlafverhalten vom Zwerg. Der tut sich nach wie vor sehr schwer damit, am Abend dann zu schlafen. Meist wacht er spätestens jede halbe Stunde auf. Da kommt man natürlich nicht wirklich zu etwas am Abend. Bin schon froh, wenn ich mit meinem Mann Mal eine Folge von einer Serie am Stück sehen kann. Kommt sehr selten vor.

    Zum Glück lässt die Phase langsam nach. Gelegentlich habe ich Mal wirklich ruhige Abende und sie nehmen langsam zu. Langsam ist aber nach wie vor sehr selten. Luxus quasi.

    Ich lege daher auch immer weniger Wert auf umfangreiche Spiele. Lieber kurz und gut, als Content der mich erschlägt. Viele RPGs und so habe ich zuletzt sogar ganz bewusst ausgelassen. Sofern Zeit ist, hole ich sie ggf. nach. Im Moment ist´s mir aber zu stressig. Man findet da oft nicht Mal eben wieder rein, wenn man zwangsweise über Tage oder gar Wochen keine Zeit für so ein Spiel hatte. Muss dann oft von vorn beginnen, damit ich klarkomme.

    Aber zuletzt habe ich außer Testmustern eh nicht mehr viel angerührt. Die Zeit reicht oft gerade dafür. Für den Rest ist im Moment kaum bis kein Platz. Am ehesten noch auf dem 3DS. Den kann man halt überall mitnehmen. Auch ins Bett.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Dafür wächst dann der Stapel an Spielen für die Zeit, in der der Kleine besser schläft. 🙂
      Und ja, Open-World-Spiele oder ähnliche gehen halt nicht so wirklich für kurz mal paar Minuten spielen, das braucht deutlich mehr Zeit.
      Und es gibt ja auch noch andere Dinge neben der Zockerei, das ist nicht immer leicht, die Balance zu finden.
      Zum Glück gibt es auch kürzere Spiele für zwischendurch. Was irgendwie auch spannend zu beobachten ist, wie sich die Spiele entwickelt haben von „Dauert für geübte Spieler ein paar Stunden, nachdem es zig Stunden gebraucht hat, um geübt zu werden“ hin zu „dauert zig Stunden, egal für wen“. ^^‘

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      • totallygamergirl schreibt:

        Oh ja, so Spiele sind faszinierend, die dann einige in Minuten oder wenigen Stunden beenden, nachdem sie quasi alle Level auswendig können. 😀 Ich bin in so Spielen allerdings nicht so herausragend. Allein schon, weil ich manchmal eine ziemliche Chaotin bin. 😀

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Haha, du, ich werd nie vergessen, wie lange ich gebraucht hab, um das erste Mario-Level zu beenden, weil ich damals als kleiner Stepke einfach durchgerast bin. So mach ich das bei den Mario-Spielen noch heute. XD
          Und bei allen RPGs und open world-Spielen stromere ich einfach mal hierhin, mal dorthin, ich lass mich dann nur schwer wieder auf die Bahnen der Handlung bringen. XD

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        • totallygamergirl schreibt:

          Geht mir auch meistens so. Ich bin ja großer Fan solcher Spiele und streife fast immer viel lieber ziellos durch die Welt, als irgendwelchen Punkten auf meiner Map zu folgen. Seit Morrowind bin ich von dieser Art Spielen verzaubert.

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Kenn ich nur zu gut. Hab mit Xenoblade Chronicles auf der Wii 170 Stunden damit verbracht, die Gegend zu erkunden und so. Hauptstory natürlich auch, aber die Welt war einfach so umwerfend! ❤

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  5. GwynGaming schreibt:

    Kann ich auch so unterschreiben. Ich weiß gar nicht, wie viele Spiele bei mir unbeendet herum streunen, weil einfach etwas anderes dazwischen gekommen ist. Hast du das schon gespielt? Hast du schon die neue Staffel von Serie xy geschaut? Zu allem hat man keine Zeit. Manchmal muss ich sogar zugeben, dass ich mich überfordert fühle, wenn ich mir anschaue, was ich ja eigentlich noch alles spielen, schauen und lesen wollte. Ich muss mir dann erst wieder ins Gedächtnis rufen, dass es ja Spaß machen soll und eigentlich keine Arbeit darstellen soll. Über all diesen Sache vergesse ich in einigen Augenblicken einfach den Spaß. Zum Glück kehrt er dann doch sehr schnell wieder. 🙂

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Ganz genau, dieses Gefühl der Überforderung kenne ich auch. Und es ist schon schlimm, wenn wir uns daran erinnern müssen, also, gezielt daran denken, dass die Hobbies Spaß machen sollen, oder?

      Ich merk es auch bei RPGs, wenn ich dann teilweise mehr Zeit mit dem Lesen von walkthroughs verbringe, um ja nichts zu verpassen. Nur verpasse ich dann das Spielerlebnis. Daran arbeite ich aber…

      Und letztlich hast du recht, die Freude am Zocken – oder am Lesen, oder an Serien – ist nie lange fort. Irgendwann juckt es dann doch wieder in den Fingern. 🙂

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  6. Pingback: Vom großen, bösen Wolf | pimalrquadrat

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