Kalte Herzen am Klondike

So, ist ja auch schon wieder etwas länger her, dass hier was los war, abgesehen von Realer Welt-Geschichten rund um Arbeit und Probleme. Jetzt aber gehts heiß her, also packt eure Bürzel gut ein und setzt die Fähnlein Fieselschweif-Kappen auf!

 

Ich war ja lange, sehr lange Jahre regelmäßiger Leser des Micky Maus-Heftes. Und damit meine ich wirklich sehr sehr lange. Meine ältesten Hefte stammten so aus dem Jahre 1991/92, und ich hab bis ca. 2004/05 allwöchentlich gelesen, weil meine Mutter mir die Hefte zuerst wöchentlich mit dem Einkauf nach Hause brachte, und ich sie mir später vom Taschengeld etc. selbst gekauft habe. Leider habe ich die Hefte nicht mehr. Sie fielen wie manch anderer Besitz einem Wasserschaden zum Opfer, leider.

 

Ich mochte immer die Mischung aus guten (ok, nicht alle waren gut, es gab auch in meinen Augen genug enttäuschende Geschichten) Comics und dem Spielzeugkram, der dabei war. Die Detektivsachen wie Lupe, Neonaufsatz für den Stift, um im Dunkeln schrieben zu können, und was da noch so alles dabei war, haben mich so manche Stunde beschäftigt. Und dabei bin ich noch nicht einmal ein besonders großer Fan von Micky und co., natürlich hab ich die Zeichentricksachen gesehen, aber LTBs hab ich mir nie gekauft, Phantomias oder – in meinen Augen mit das Schlimmste – Darkwing Duck haben mich nie begeistert. Trotzdem war das Micky Maus-Heft Bestandteil meines Wochenablaufes.

Und im Laufe der Jahre waren doch einige hervorragende Geschichten dabei, von denen mir eine ganz besonders gut gefallen hat. Es geht um der Welt reichste Ente schlechthin, um Dagobert Duck – und der Titel lautet entsprechend: Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden.

Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich in den bereits damals „alten“ Heften geblättert und die Kapitel aus der Biographie Dagoberts gelesen habe, die ich in meinen Micky Maus-Heftchen hatte. Zu genau weiß ich noch, wie sehr ich mich geärgert habe, dass mir einige Kapitel fehlen, und wie ich gerätselt habe, was da alles passiert sein könnte.

Ich denke, die Faszination für Dagobert ist nicht weiter erstaunlich, immerhin gibt es hier so viel Raum für allerlei Geschichten, um zu erklären, wie aus einem armen kleinen Schottenküken die reiche Ente wurde, die härter als die Härtesten ist. Wie er es von einem mickrigen Kreuzer, noch dazu in einer ausländischen Währung, zu Fantastilliarden gebracht hat. Ich war immer begeistert davon, mit welcher Entschlossenheit sich der junge Dagobert allen Widrigkeiten gestellt hat, die sich ihm entgegenstellten. Egal, ob es Viehdiebe in den Badlands waren oder eine Springflut in Australien, nie hat er aufgegeben, sondern weiterhin sein Glück gesucht. Unvergessen die Reise zum Klondike, und Nelly, hach, das hat so viel Potential!

 

Ich schwärme hier natürlich, ohne groß in die Details zu gehen, weil ich nicht wirklich spoilern mag, obwohl Dagoberts Geschichte ebensowenig wie er selbst besonders jung ist. Vor einiger Zeit habe ich mir in dieser Hinsicht denn auch einen lange gehegten Traum erfüllt. Da ich bereits eine ganze Weile scharf war auf den Sammelband mit allen Kapiteln der Geschichte aus der Feder von Don Rosa und witzigerweise Tuomas Holopainen, seineszeichen Songwriter von Nightwish, ein Album mit Liedern inspiriert von eben diesen Geschiten veröffentlicht hat, habe ich mir einfach beides gegönnt.

Was soll ich sagen? Die Einzelnen Kapitel, die Passagen aus Dagoberts Leben erzählen, sind nach wie vor in ihrer Summe sehr unterhaltsam – mit dem Alter *röchel* lese ich sie mittlerweile auch etwas anders, doch zumindest die mir bereits bekannten Kapitel fesseln mich noch immer – und allein der Ereignisse in Australien und am Klondike wegen lohnt es sich, in die Vergangenheit dieser Ente einzutauchen! Und es geht auch nicht nur um Geld, sonderm um all die Abenteuer, die auf dem Weg dahin stattfanden. Es geht auch um Familie, denn Dagobert hat immerhin zwei Schwestern, und die Beziehung zu ihnen tritt gerade in den späteren Kapiteln mehr in den Vordergrund, wodurch er nicht nur Kanten und Ecken erhält, oder phasenweise auch unsympathisch wird, sondern auch – und das macht ja gute Charaktere aus – menschlich. Ok, gut, falsches Wort, aber „entisch“ geht nicht, denn dabei denken Nerds wie ich gleich an Baumbart. Aber diese Ereignisse rund um einen Eingeborenenstamm zeigen seine Schwächen, seine hässlichen Seiten, ebenso wie andere Kapitel seine helleren Züge hervorheben. Auch deswegen ist Dagobert für mich so faszinierend, jedenfalls in dieser Geschichte. Da, wo andere wie Micky oder Donald eher vage und stereotyp bleiben – hier der immergute, liebe, nette Kerl, dort der etwas tollpatschige, jähzornige und leicht trottelige Pechvogel – hat Dagoberts Charakter durch Don Rosa eine Schärfe erlangt, die es bei Disney meiner Meinung nach selten gibt.

Tuomas hingegen schafft es größtenteils, die Stimmung der jeweiligen Kapitel hervorragend in Musik zu fangen. Egal, ob es um die Anfänge in Schottland im Lied Glasgow 1877 geht, oder die Digeridoos Australiens in Dreamtime zum Einsatz kommen, hier passt es.

Hier und da hätte ich mir noch etwas mehr Lyrics gewünscht, denn insgesamt ist es sehr instrumentallastig, aber so kann man es sehr gut beim Lesen hören, ohne vom Liedtext abgelenkt zu werden. Was ich übrigens auch gemacht hab, als beides ankam. Hat sehr gut gepasst, abgesehn davon, dass mein Lesetempo nicht mit der Musik mitkam. XD

 

Wer einmal reinhören möchte, hier drei meiner Lieblingslieder. Aber Achtung: Auch wenn die Bilder die italienische Übersetzung zeigen, gespoilert wird man trotzdem, also einfach während des Hörens wegschauen!

 

 

 

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30 Antworten zu Kalte Herzen am Klondike

  1. Zeilenende schreibt:

    Ah … Onkel Dagobert, sein Leben, seine Millionen ist tatsächlich ein ganz famoses Stück Comic. Gut, ich habe ja auch im Unterschied zu dir LTBs gelesen, mind. die ersten 150 (und bin mit Mickey nie warm geworden), mit den Ducks hingegen schon. Über deine Einstellung zu Darkwing (grandiose Parodie auf Superheldencomics) müssen wir zwar reden …

    Danke für die Songs, ich höre gleich morgen rein. (Jetzt muss ich noch deinen letzten Kommentar lesen und dann gehe ich ins Bett)

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    • schnipseltippse schreibt:

      Witzig. Die Micky-Comics habe ich auch nicht so gern gelesen. Obwohl es in den alten LTBs, als Micky noch nicht so ein ganz extremer Klugscheißer war wie heute, doch auch einige gibt, die mir im Gedächtnis geblieben sind.
      Die neuen LTBs finde ich für mich nicht mehr lesbar. Schade.

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      • pimalrquadrat schreibt:

        Stimmt, so ne grobe Entwicklung hab ich auch mitbekommen, wobei ich eben immer mehr die Geschichten um die Ducks mochte. Weiß auch nicht, Micky ist für mich einfach zu glatt.
        Schade, dass die LTBs so nachgelassen haben. 😦

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Haha, irgendwie hat Micky keine so große Fangemeinde hier. XD
      Stimmst du zu, dass die LTBs nachgelassen haben?

      Nene, Darkwing geht gar nicht, da müssen wir wirklich reden. 😛

      Mach mal, und: Gute Nacht! Ist ja wieder spät. 🙂

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      • Zeilenende schreibt:

        Du hast meine Gewohnheiten schon gut drauf, hm? 😉
        Ich kenne die neuen LTBs ehrlich gesagt gar nicht. Mein Problem ist, dass die mittlerweile unverschämt teuer sind.

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ich? 😀

          Aah, ja, siehste, die Preise hab ich so gar nicht aufm Schirm. Ich les ja eh meine Bücher aus diesem Grund meist im Original, also auf Englisch, weil ich dann einiges Geld spare. Dass das auch bei den LTBs so ist, puuh, und dann wundert man sich eventuell über sinkende Verkaufszahlen?

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        • Zeilenende schreibt:

          Die sind mittlerweile schweineteuer. Aber es rentiert sich offenbar noch für sie. Naja. Wenn ich mal wieder Platz habe … Vielleicht ergänze ich meine Comicsammlung dennoch um LTBs. Aus Nostalgie.

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Heftig! 😮
          Es kommen sicher auch wieder Zeiten, in denen du dir LTBs besorgen kannst! Und Nostalgie ist nicht schlecht, ich bin manchmal gerne ganz bewusst nostalgisch.

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  2. schnipseltippse schreibt:

    Aaach, Carl Barks und Don Rosa. Meine liebsten Disneyzeichner 💓
    Aber Donald ist und bleibt mein Liebling. Schließlich wollte ich ihn mal heiraten. Alte Liebe rostet nicht.
    Und ein Lob auf Erika Fuchs und ihre Texte sei nicht vergessen. 🤓

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Donald heiraten? 😳 Und Daisy? 😛
      Stimmt, die Texte sind auch sehr gut!
      Hm, ja, Donald ist jedenfalls im Vergleich zu Micky interessanter. Ich fand immer die Konflikte mit Gustav toll, und hab Donald heimlich angefeuert. Und die Szene, als am Ende Klein-Donald den Tritt für Dagobert springen lässt, die fand ich super! 🙂
      Aber mein Herz schlägt eher für Dagobert. 😀

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  3. bullion schreibt:

    Hachja, ein toller Comic-Band. Hat mir auch ausgesprochen gut gefallen. Früher habe ich auch unzählige LTBs gelesen und ganz viele Carl Barks und Don Rosa Sachen. Einfach fantastisch! Sind jetzt alle noch in Umzugskisten im Keller. Bin gespannt, ob sich meine Kids irgendwann auch dafür interessieren…

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Jupp, deinem Beitrag ist echt nichts hinzuzufügen! 🙂
      Ich bin ja so gar kein Kenner, was die Disney-Comics betrifft, aber dieser hier ist ein Goldnugget! 😉

      Achja, und deine Kinder werden einfach gar keine andere Wahl haben. Wer nicht spurt, der wird enterbt und bekommt nur Spinat und Brokkoli serviert. 😀

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  4. Frau Argh schreibt:

    Jaaaaaa…ich habe früher immer das Comicheft gelesen und habe die LTBs geliebt. Besonders übrigens Dagobert und seine Geschichte(n). Die Bücher sind noch irgendwo bei meinen Eltern daheim 🤔

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Cool! Aufm Speicher dann, oder so, dass du noch mal reinlesen kannst? 🙂
      Ich find, solche Sachen muss man einfach aufheben, auch wenn sie ziemlich platzfressend unterwegs sind. ^^‘

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      • Frau Argh schreibt:

        Ich denke schon @Speicher – ich hab die nie weggegeben, aber bei Seniors sind die gut aufgehoben (und da is Platz 😉 )

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Perfekt! 🙂
          Ich ärgere mich ja schon, dass ich die ganzen Hefte nicht mehr habe. Und die LTBs sind ja noch mal ne Ecke toller, Taschenbücher halt. 🙂

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        • Frau Argh schreibt:

          Bei den Heften bin ich mir leider nicht mehr sicher – mein Vater hebt ja sonst so ziemlich ALLES auf *hust* aber ich hab die auch echt geliebt. Vor allem die ganzen Beilagen…

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Guter Mann! 😀
          Ohja, die Beilagen. Oh was kam da an Zeug zusammen im Laufe der Jahre. XD
          Ist ja fast wie mit den Ü-Eiern, von denen es jede Woche nachm Einkauf zwei gab. Rechne das mal hoch auf einige Jahre… ^^‘

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      • schnipseltippse schreibt:

        Ich habe auch alles aufgehoben.
        Und ich stamme noch aus der Vor-Gimmick-Zeit. Da gab es statt Plastik-Kram, der nach spätestens drei Tagen im Müll landet, Bastelbögen! Mann, was waren die toll. Ich habe mal einen einen Kopf größeren Nachbarsjungen verprügelt, weil er mir eine Bastelei kaputt gemacht hatte. 😂 Weiß ich bis heute!
        Genau dieser Charme fehlt mir heute. Es ist so ein Ex und Hopp geworden, während es damals Schätze waren. Hach, Nostalgie…

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ich finds toll! Und da können dann die Kleinen auch mal reinlesen! 🙂
          Du warst ne Prügeltippse? 😮 XD

          Jepp, stimmt schon. Muss es vielleicht auch, um wenigstens kurzzeitig mit Smartphone/Apps ect. mithalten zu können?

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        • schnipseltippse schreibt:

          Ach, ich glaube, viele Kinder hätten heute noch Spass an den Bastelbögen. Aber ich denke, der China-Plastik-Schrott kostet nur einen Bruchteil. Hinter den Bastelbögen steckten ja Entwickler und Designer und alles war speziell auf Entenhausen abgestimmt. Die Gimmicks sind seelenlose Massenware. Dafür gab es damals schon das Yps-Heft. Wer sowas wollte, konnte das kaufen. Mitsamt seiner miesen Comics. 😜 Ich schweife ab, hehehe…

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Kann auch sein, ja. 🙂
          Mit dem Kostenargument wirst du wohl ins Schwarze treffen, leider. Heute muss natürlich alles kostengünstig produziert werden…
          Wobei ich manche Beilagen zum Yps-Heft auch gut fand, so ist das jetzt nicht. 😛
          Der Dino, der sich zu einem Ei zusammenbauen lässt, zählt zu meinen Lieblingsstücken, und den hab ich auch noch irgendwo. 😀
          Was die Comics betrifft, hast du aber recht, da kommt Yps nicht weit…

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        • schnipseltippse schreibt:

          Die Idee hinter vielen Yps-Gimmicks war schon gut, aber wie viele haben wirklich funktioniert? 😁
          Ich erinnere mich an eine „Maschine, die quadratische Eier macht“. Hartgekochtes Ei pellen, in die Würfelform pressen und über Nacht im Kühlschrank lassen. Das Ei war am nächsten Morgen zwar tatsächlich ein Würfel, aber ich fand es dann irgendwie eklig, das zu essen 😂
          Und dann gab es mal den „Zeppelin“. Im Prinzip ein dünner schwarzer Müllsack, den man mit Luft füllen und in die Sonne legen musste. Auf dem Yps-Bild flog er hoch in der Luft. In Wirklichkeit wand er sich schlapp am Boden herum 😂
          Aber immerhin… man kann 30 Jahr später noch davon erzählen, das ist auch was, hahaha.

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ja, da hast du natürlich recht. Die Eiergeschichte hatte ich nicht, aber den Zeppelin, und der flog mal so gar nicht. XD
          Die Rakete mit dem Brauseantrieb ist dafür schön gestiegen, und hat dabei ne ziemliche Sauerei angestellt. ^^‘

          Stimmt, das gibt nette Erinnerungen! 🙂

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  5. Lehrercafe schreibt:

    Ich kann schnipseltippse nur zustimmen. Die alten Hefte sind fantstisch. Mit den neuen LTBs kann aich nicht mehr viel anfangen. Vielleicht liegt es aber auch, dass man älter geworden ist und heute solche Sachen mit anderen Augen 👀 liest. LG aus dem Lehrercafe, heute von Ela

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Das kann natürlich auch sein, mit dem Alter sieht man ja manches anders, und auch Geschmäcker entwickeln sich. Aber andererseits kehrt man ja doch wieder zu anderen Dingen zurück, denn alte Liebe rostet nicht, oder so. Gerade bei Büchern passiert mir das. 😀

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