Noir – Eine Serie, die viel verspricht…

… aber nicht unbedingt hält. Doch bevor ich das Pferd verkehrt herum aufzäume, worum geht es eigentlich?

Noir, das ist die Geschichte um die beiden jungen Frauen Mireille Bouquet und Kirika Yuumura. Erstere ist – nicht nur Französin, umwerfend gezeichent und mit einer tollen deutschen Synchronstimme gesegnet (die französische ist auch ziemlich gut!) – Auftragskillerin, und arbeitet von Paris aus. Zweitere ist auf den ersten Blick eine gewöhnliche Oberstufenschülerin aus Japan. Auf den ersten Blick, wohlgemerkt….

Was beide eint, das sind zwei Dinge: Die Fähigkeit, andere Menschen mit Waffengewalt ums Leben zu bringen, und eine Taschenuhr, die eine bedeutsame Melodie erklingen lässt, wenn man sie öffnet. Da Kirika ihr Gedächtnis verloren hat und Mireille somit keine Möglichkeit hat, sie mit der Taschenuhr in Verbindung zu bringen, beschließen sie, fortan zusammen als ‚Noir‘ zu arbeiten, so lange, bis Kirika ihr Gedächtnis wiedererlangt. Dabei sind die beiden alles andere als gewissenlos, sodass es sich bei den Zielen um durchaus verdorbene Charaktere handelt. Meistens jedenfalls, denn hier und da zählen tauchen auch Figuren auf, die bereits Sühne leisten für ihre Vergangenheit. Das sind dann auch die Folgen, in denen das Verhalten von ‚Noir‘ moralisch ein wenig fragwürdig ist und zum Nachdenken anregt. Also, mich jedenfalls.

 

Die Geschichte um die beiden lebt von einer hervorragenden Animation und grandios gezeichneten Charakteren und – meist – auch Hintergründen. Die Episode, in der Häuser bis zu den Füßen des Eiffelturmes reichen, übersehen wir einmal großzügig. Untermalt wird die Action von einem sehr gut gewählten Soundtrack, der nahezu immer zur gezeigten Situation bzw. Stimmung passt, und damit mal Tempo erzeugt, mal Platz für Emotionen lässt, ohne dabei zu aufdringlich zu werden. Nicht selten ist die Hintergrundmusik auch das einzige, was man, abgesehen von den Schüssen, zu hören bekommt. Dies passt aber sehr gut zur Handlung, denn mal ehrlich, wie viel redet man denn schon, während man sich seiner Haut zu erwehren versucht und es mit einem Dutzend oder mehr fiesen Typen aufnimmt, die überall lauern können und nur darauf warten, einem eine Kugel in den Leib zu jagen?

Was übrigens eine weitere, positive Eigenart der Serie darstellt: Mireille und Kirika sind einfach nur badass. Beiden ist es egal, mit wem sie es aufnehmen, egal, ob Mann oder Frau, am Ende müssen sie alle dran glauben. Und hier sind es die Männer, die das Kanonenfutter (eigentlich ziemlich sexistisch, wie hier die Geschlechterverteilung ausfällt. Mir Wäre nicht bewusst, dass das andernorts anders wäre) stellen, ohne dabei wirklich eine richtige Herausforderung zu sein. Die wenigen weiblichen Gegner hingegen sind allesamt deutlich stärker herausgearbeitet und bilden auch eine sehr viel individueller gestaltete Gegnergruppe, mit der Mireille und Kirika so ihre Mühe haben.

 

Größter Kritikpunkt ist für mich die Handlung. Besteht der erste Teil noch hauptsächlich aus Einzelepisoden, in denen es darum geht, wie die beiden ein bestimmtes Ziel ausschalten und/oder sich aus brenzligen Situationen retten müssen, nimmt etwa mit der Serienhälfte ein anderer Aspekt mehr und mehr Raum ein. Hierbei geht es um die Bedeutung des Namens „Noir“ durch die Geschichte hinweg und um „Les Soldats“ (oh, was war das für eine Erleichterung, das auf Französisch zu hören, in derdeutschen Version wird das „t“ immer so sehr betont, dass es eben wie „Les Soldates“ klingt. Das trieb mich immer in den Wahnsinn!), eine Gruppe, die aus den Schatten heraus die Dinge lenkt. Prinzipiell ist die Idee ja ganz nett, wenn auch nicht sonderlich originell, aber die Umsetzung stört mich dann doch sehr. Mehr und mehr rutscht der Anime meiner Meinung nach ab in die Stimmung: „‚Noir‘ ist gefürchtet und bezeichnet die besten Killer, die es je gab. Wir sind (sprich: heißen) ‚Noir‘, also sind wir auch die Besten, und ihr habt keine Chance“. Das hat mich mehr und mehr gestört, wozu dann auch das Problem kam, dass die Motivation der „Soldats“ einfach zu wenig Konkretes gezeigt oder gesagt wurde. Die Tendenz ging klar in Richtung Esoterik – danke für den Ausdruck, Schlopsi! – was ich schade fand. Gerade wenn diese Organisation, die, wie sich herausstellt, alles aus den Schatten heraus lenkt, so eine große Rolle zu spielen hat, sollten die Ziele auch zu den Mitteln passen. Wer die Welt kontrolliert, so wie es diese Gruppierung tut, der ist sicherlich nicht auf diese beiden Killer angewiesen. Noch dazu, wenn man mit Chloe so eine hervorragende Assassine zur Verfügung hat, aber das leigt eben wieder an diesem Mystizismus, der aufgebaut wird, aber nie wirklich eine Rolle spielt. Zumindest keine, die ich verstanden habe.

Dem gegenüber steht der Aspekt der Reise in die eigene Vergangenheit, da es sowohl Kirika als auch Mireille darum geht, ihre Erinnerungen (und damit eben ihre Vergangenheit) wiederzubekommen bzw. die Umstände der eigenen Vergangenheit aufzudecken, und somit zu klären, wie Mireille, Kirika und die Taschenuhr zusammenpassen. Damit ist es dann auch kein Wunder, wenn Personen aus beider Vergangenheit auftauchen und das Duo Stück für Stück näher an die Wahrheit bringen. Das finde ich übrigens auch gut umgesetzt, wie sich beide ihrer Vergangenheit stellen, um sie überhaupt erst aufzudecken.

 

Das Ende übrigens war in Ordnung, da es doch einiges an Raum für Interpretationen lässt, nachdem die letzten Szenen davor doch ein wenig anstrengend waren.

 

Letztlich ist Noir eine technisch gutgemachte Serie, die ein wenig an einer nicht vollständig durchdachten – oder umgesetzten – Handlung kränkelt, wodurch die Reise der beiden Protagonisten ein bisschen abgewertet wird, da die Frage nach dem „Warum“ zurückbleibt – und zwar größtenteils ungeklärt.

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10 Antworten zu Noir – Eine Serie, die viel verspricht…

  1. Schlopsi schreibt:

    Das trifft es sehr gut, werter Herr 3,141*r²!
    Ich fand die finale Entwicklung auch recht schade. Das Ende gar nicht so, aber der Weg dorthin. Beschreibst du ja ganz gut. Aber: Mir hat das ganze drum herum so toll gefallen, dass mir das beinahe schon wieder egal war. Allein der Soundtrack von Yuki Kajiura… gibt ja allein drei Alben zu der Serie! Wenn es französisch/korsikesque klingen soll: https://soundcloud.com/u210472948/05-18?in=u210472948/sets/yuki_kajiura-noir_original_soundtrack_1 (Corsican Corridor & Le Grand Retour), oder melodisch (Solitude by the Window & Zero Hour)… Hach, der Score ist schon fest im Gedächtnis verankert.
    Ich fand übrigens die von dir angesprochenen Reueepisoden extrem stark herausgearbeitet. Gerade mit dem Exsoldaten, der am Seineufer sitzt und malt, während sich Kirika langsam mit ihm anfreundet. Extrem traurig, wie das enden musste. Die Vergangenheit holt einen eben doch immer wieder ein…
    Muss die Serie nochmal schauen und über deine angesprochenen Kritikpunkte nachdenken. So ganz genau bin ich da nicht mehr im Bilde, wie sich das mit der Oragnisation selbst, den Les Soldat auflöst… Aber tolle Besprechung!

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Danke! 😳 🙂
      Ja sicher, die Musik ist toll, gegen die werd ich auch nichts sagen. 😉

      Jupp, die mit dem Soldaten, der malt, oder auch der alte Mann, der zum guten Samariter wird, das war schon klasse. Und zeigt, dass Noir eben auch die Zwischentöne sehr gut treffen kann. Woran das in meinen Augen weniger gelungene Ende auch ncihts ändert, die Serie hat definitiv ihre Highlights! 🙂

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  2. friedlvongrimm schreibt:

    Jetzt habe ich definitiv Lust die Serie endlich mal chronologisch zu schauen. Hatte damals auf Viva ab und zu reingeschaut. Als wa noch jung waren und die Musiksender noch guckbar waren.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Mach mal! Ich hatte die damals auch auf Viva geschaut, aber eben nach dem Motto „Wenn ich dran denke, gut, wenn nicht, dann nicht“. Und schlecht isse ja nicht, ich bin halt nur ein bisschen auf meinen Erwartungen sitzen geblieben.

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  3. Sam Subotic schreibt:

    Hach Noir. Ich muss die Serie unbedingt mal wieder schauen, damals habe ich das Ende verpasst und es total verschwitzt es nachzuholen.

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  4. Miss Booleana schreibt:

    Noir habe ich auch geschaut, als die tatsächlich mal auf einem der Musikkanäle ausgestrahlt wurde. Das waren noch Zeiten, als man so einfach mal in einen Anime reinzappen konnte 🙂
    Jedenfalls war es bei mir umgekehrt. Ich empfand die ersten paar Episoden als ganz spannend und erst wieder den Teil mit dem Ursprung von „Noir“. Diese cases of the week fand ich irgendwann einfach nur noch belanglos. Aber ich verstehe auch was du meinst mit der Esoterik und dem etwas übertriebenen Geschwafel um Noir.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Oh Mann, das waren noch Zeiten, was? Und schon so lange her… 😦
      Damals hab ich auch immer mal wieder in Wolf’s Rain reingeschaut, aber das lief so spät, das ging als Schüler nicht immer.

      Kann ich verstehen, das hab ich dann auch gemerkt, als ich zu viele Folgen am Stück geschaut habe. Da wurden die Case of the Week-Folgen dann ein wenig langatmig, weil es eben nur kleinere Zusammenhänge gab. Ein bisschen gestreckter ging es aber gut. Die Soldats haben da sicher noch mal Spannung mitreingebracht, da hast du recht, aber eben das Ende, die Esoterik. *seufz*

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