Was für ein Tag!

Frankreich beschließt eine Bildungsreform, wonach fächerverbindender Unterricht eingeführt werden soll, dafür aber bilingualer Unterricht gestrichen wird, und wenn ich das richtig mitbekommen habe – ich hab mitten im Satz hingehört – sollen Latein und Altgriechisch nur noch im Fächerverbund unterrichtet werden. Eine rasche Recherche bestätigt das: Latein und Altgriechisch als eigenständige Fächer werden abgeschafft. Zudem sollen Schüler bereits in der 5. Klasse die Entscheidung für die zweite Fremdsprache treffen.

Zustände wie in Deutschland, was die Vermutung nahelegt, dass es ein koordiniertes Bestreben gibt, das öffentliche, leistungsorientierte Bildungssystem zu zerstören. Nimmt man dazu, dass in Deutschland die Ganztagesschule eingeführt werden soll (von Kleinigkeiten wie fehlenden baulichen Voraussetzungen mal abgesehen), während in Frankreich mit dem Blick zu uns die Halbtagsschule immer wieder ins Gespräche gebracht wird (mehr Zeit für Familien, Kinder nicht den ganzen Tag in der Schule), kann man sich nur noch an den Kopf fassen.

All das geht natürlich zu Lasten jener Schüler, deren familiärer und sozialer Hintergrund es ihnen nicht ermöglicht, diese politisch gewollten Schwankungen des Bildungssystems auszugleichen. Die anderen, mit genügend Geld für ausgiebigste Nachhilfe oder Privatschule, die können sich ins Fäustchen lachen, da sie in 10-15 Jahren nicht mehr mit leistungsstarken Kindern der Mittel- und Unterschicht um Studienplätze und gut bezahlte Jobs (machen wir uns nichts vor, die wenigsten Arbeiterkinder ergattern einen Spitzenjob, da hier Vitamin B greift) konkurrieren müssen. Gleichzeitig verarmen große Teile der Bevölkerung geistig und werden sehr viel leichter zu manipulieren. Wer keinen Zugang zu gescheiter Bildung hat, tut sich natürlich schwerer damit, Politik oder gesellschaftliche Missstände zu hinterfragen. Wer einen Zweitjob benötigt, um über die Runden zu kommen, dem bleiben abends ganz sicher keine Zeit und Kraft, um sich über Politik zu informieren oder sich in selibger zu engagieren. Hört sich nach einer kruden Verschwörungstheorie an? Vermutlich ist sie das auch nur. Ich frage mich, was schlimmer wäre: Wenn dies von Politik und Wirtschaft nicht intendiert, sondern nur ein gerne mitgenommenes Nebenprodukt struktursichernder Maßnahmen ist, oder wenn all dies ganz genau so gewollt ist…

 

Anderes Ereignis, in einem anderen Zusammenhang: Heute, knapp ein Jahr, nachdem ich per Mail Kontakt zu Brandon Sanderson aufnahm, in der Hoffnung, seine beiden noch unveröffentlichten (und Überarbeitung benötigende) Frühwerke zu erhalten (ja, er versendet die auf Anfrage!), habe ich endlich, endlich, aus heiterem Himmel und nach Aufgabe jedweder Hoffnung, eine Antwort erhalten!!! *hibbelig bin*

Beide Dateien sind bereits auf der Festplatte, und heute Abend werde ich mich daran machen, sie zu lesen. Ich kann es kaum abwarten, denn auch wenn sich bis zu einer Veröffentlichung noch einiges ändern kann und wird, so bieten sie doch Einblick in die Hintergrundgeschichte, die einen Großteil seiner Bücher miteinander verbindet.

Meine Fragen zu seinen Texten hat er natürlich alle ge-RAFO’ed (Read And Find Out), aber immerhin, er meinte, sie seien ganz gut. *yay*

Sobald ich beide Texte gelesen habe, werde ich mich auch daran machen, an den Blogevents der singenden Lehrerin teilzunehmen. 🙂

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Dieser Beitrag wurde unter Alltägliches, Bücherwurmiges, Nachdenkliches veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Was für ein Tag!

  1. tinatainmentia schreibt:

    Puh, im Thema Bildungsreformen in Frankreich bin ich zu wenig drin, um da mitzukommen – also wollen die eher in unsere Richtung, und wir in… deren? Und was soll das denn, Latein wird als Fach abgeschafft und im Fächerverbund unterrichtet? In was für einem Fächerverbund überhaupt? Oh, das ist alles irgendwie konfus, ich müsste mich da mal mehr einlesen. Ich frage mal die Franzosen meines Vertrauens vor Ort (du bist ja der Franzose des Vertrauens, der den Beitrag gepostet hat, daher frage ich dich via Kommentar 😛 ), wie das so läuft. Bisher habe ich nur vernommen, dass dort quasi alle Abitur machen (bzw. die sehr, sehr große Mehrheit), und auch jeder studiert – die Unis allerdings kein Selektionsverfahren haben, man kann sich also quasi einfach einschreiben und dann wird man aussortiert oder eben auch nicht. Das ist so das, was ich von französischer Bildungspolitik bisher mitbekommen habe (und die verschiedenen Arten von Abitur, aber die spielen hier ja jetzt keine Rolle).

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Ja genau, im Grunde tauschen Deutschland und Frankreich ihr System, zumindest was die Dauer des Schulaufenthaltes betrifft. Mit einem Unterschied: Es ist deutlich einfacher, auf Halbtag umzustellen, als umgekehrt, weil eben Mensen und co. erst gebaut werden müssen.

      In welchem Verbund Latein und Griechisch unterrichtet werden sollen, das steht gerade nicht im neuen Bildungsplan bzw. in der Reform. Sprich, es bleibt den Schulen überlassen, ob sie da etwas machen wollen oder nicht.

      Ja, genau, in Frankreich können im Prinzip alle Abi machen, auch wenn manche eben früher aufhören und stattdessen einen anderen Abschluss anstreben, nachdem sie den Brevet erworben haben. Danach geht es dann wahlweise zum Abi, zum CAP und dergleichen mehr. Der Brevet ist also im Grunde wie unser Realschulabschluss.

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      • tinatainmentia schreibt:

        Puh, ja, wem sagst du das, ich arbeite ja an einer Schule in Deutschland, die auf G8 und Ganztag umgestellt hat, und da gibt es einige Probleme… Ganz zu schweigen von der noch immer nicht existenten Mensa, sondern einer „Notlösung“. Schwierig, all das. Und nicht gerade toll, ich weiß ja immer noch nicht, warum man Kinder bis halb 5 in der Schule behalten muss und ihnen somit die Chance auf Hobbys außerhalb, Vereinsleben etc. nimmt. Ich habe das als Kind sehr genossen und würde es nicht tauschen wollen – und meine (Aus-)Bildung hat darunter dann trotzdem nicht gelitten.

        Oh, okay. Das ist also auch alles noch etwas unpräzise?

        Puh, ja, aber die Französin meines Vertrauens meinte ja, wenn man diesen Zwischenabschluss (der wohl Brevet heißt, das wusste ich nicht 😉 ) macht, ist man quasi verloren auf dem Arbeitsmarkt, das scheint also noch mal eine Ecke schlimmer zu sein als bei uns – und auch hierzulande wird ja der Realschulabschluss leider Gottes immer mehr entwertet. Wieso man ein System hat, dass einfach überhaupt nicht selektiert, kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht verstehen… Aber vielleicht liegt das auch daran, dass bei uns der Wettbewerbsgedanke und das Leistungsprinzip so hoch stehen und ich mich einfach früh daran gewöhnt habe, dass es sowas wie NC und Auswahlverfahren und Co in Deutschland eben gibt – das gilt ja letztlich auch für die Jobaussichten nach der Uni.

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ja gut, aber NC und so bräuchte man bei einem gescheiten System, das wirklich nach Leistung selektiert, auch nicht. Denn wenn Tempo und Stoff am Gymnasium wirklich gymnasial wären, dann könnten eh nur die wirklichen Topleute ein Topabi holen, womit der Zwang für NCs wegfiele. 😉
          In Frankreich hast du nach dem Brevet halt die Möglichkeit, Abi, berufliches Abi (vermutlich die falsche Übersetzung, aber halt sowas wie unsere beruflichen Gymnasien, grob gesagt) oder die Richtung Ausbildung mit CAP und ähnlichen Abschlüssen. Inwiefern da selektiert wird, das kann ich nicht wirklich beurteilen. 😉

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  2. singendelehrerin schreibt:

    Und was nehm ich aus diesem Artikel mit?
    „Sobald ich beide Texte gelesen habe, werde ich mich auch daran machen, an den Blogevents der singenden Lehrerin teilzunehmen.“
    Yay! 😉

    Puh, obwohl ich vor gefühlten Jahrhunderten Französisch-Leistungkurs hatte, bin ich mit der Bildungspolitik in F nicht wirklich vertraut. Eine Rückkehr von der Ganztagsschule zur Halbtagsschule finde ich äußerst überraschend, jetzt wo in Deutschland ja genau die gegenteilige Richtung eingeschlagen wird. (Da bin ich aber, ehrlich gesagt, froh, dass ich an einer Schulart bin, an der das wenig relevant ist. Die sind ja alle schon 16 und älter, von daher müssen die nicht wirklich groß beaufsichtigt werden. Für mich als Lehrerin wäre eine echte Ganztagssschule nur ertragbar, wenn wir in der Schule ECHTE Arbeitsplätze hätten.)

    Latein und Altgriechisch nur im Doppelpack finde ich strange, wobei ich auch ohne Latein und Griechisch durch die Schulzeit gekommen bin (und nicht völlig geistig verarmt 😉 ), musste dann allerdings das Latinum an der Uni nachmachen.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Jaja, immer auf den eigenen Vorteil schauen, was? 😛

      Die geistige Verarmung war jetzt nicht speziell auf Latein/Griechisch bezogen, die ich ja selbst auch nie hatte, sondern darauf, dass Schule bzw. Bildung mehr und mehr an Wert verliert. Dass mehr und mehr Deutsche auf das Lesen von Büchern ganz verzichten, etc.

      Ich finde diese Reformen auch immer irrsinnig, weil sie zeigen, dass es bei der Bildungspolitik eben nicht darum geht, ein gescheites System zu haben, sondern eher darum, sich zu profilieren. Ganz- und Halbtagsschule sind dafür das Beispiel schlechthin.

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  3. Du hast die Ehre ein Buch vor der Veröffentlichung zu lesen ! *__*
    Druck dir die Mail aus und hänge sie in dein Zimmer. Diesen Moment darfst du niemals vergessen ! 😀

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