Bahnfahren – Gefangen im Metallkasten, Teil I

Ich war ja jahrelang Pendler, jeden Tag zwischen Zuhause und Uni hin- und hergefahren. Erfahrungen mit der Bahn durfte ich in dieser Zeit etliche machen. Einige davon waren schön („Oh, die Bahn ist richtig gut drauf und fährt mir vor der Nase weg – eine Minute vor der regulären Abfahrtszeit!“), andere dagegen deutlich weniger.

 

Von solch einer Geschichte wird dieser Eintrag handeln. Der geneigte Leser möge sich Folgendes vorstellen: Sommer, Hitze, Schweiß, Sonnenschein. Draußen sind es gefühlte 30° im Schatten. Alles schwitzt und ächzt unter der drückenden Hitze, kein Lüftchen weht, die Kleidung klebt an der Haut, die Haut selber versucht davonzuschwimmen. Die Hörsäle sind wahlweise überhitzt von der Mischung aus Außentemperatur und der Hitze, die Dutzende Studenten in ihrem Hunger nach Wissen abstrahlen, oder gnadenlos unterkühlt von einer Klimaanlage, die ganzjährig auf gefühlte 17° eingestellt ist.

Nachdem die Vorlesungen vorbei sind, macht sich also mein jüngeres Ich auf den Weg zurück nach Hause, versucht, möglichst im Schatten zu laufen, auch wenn der nur von ein paar Laternenmasten gespendet wird. Wartet – wie könnte es anders sein – auf die nächste Bahn. Steht dabei natürlich nicht im Schatten, weil die Sonne grad ungünstig steht. Primatoll. Und dann, endlich, nach einer quälend langen Wartezeit, die ich damit verbrachte, wahlweise zu schwitzen oder zu trinken, kommt sie: Die Bahn!

Aber was ist das überhaupt für eine Bahn? Nun, es ist eine mit kleinen Kippfenstern, ohne (OHNE!!!) Klimaanlage. In manchen Bereichen hat sie gar keine Fenster. Yay. Diese Fahrt würde sicher noch sehr toll werden. Unvergesslich toll.

Mit Mühe und Not ergattere ich noch einen Sitzplatz und schiebe meinen Rucksack zwischen meine Beine, um dem Oberkörper möglichst viel Zugluft zu gönnen – wenn nur irgendeine Form von Luft an diesem Tage gezogen hätte! Dank Sonnenbrille sehe ich immerhin grimmig genug aus, um nicht in Gespräche verwickelt zu werden (auch das ist mir schon geschehen, eine Mutter, die ganz stolz von ihrer Tochter berichtete, gleich noch deren Alter nachschob und, dass diese gerade Single wäre. Erstaunlich, was man während so einer Bahnfahrt alles erlebt, nicht?), selbst dann nicht, wenn ich die Augen geschlossen halte. Was ich auch ausnutzte, bei starkem Sonnenschein ermüden meine Augen unglaublich schnell.

 

Naja, und dann, tja, dann kam sie. Sie. SIE. Etwa einen Kopf kleiner als ich, Brille, blond, ich meine sogar, sie hätte grünblaue Augen gehabt. Also, eigentlich alles perfekt (Naja, gut, schwarzes Haar und blaue Augen wären genauso gut gewesen), könnte man meinen. Oder? Es wurde sogar noch besser: Sie setzte sich mir gegenüber! Wow, Jackpot! Das liest sich jetzt sicherlich schlimmer, als es in Wirklichkeit war, aber die Geschichte verlangt es nun einmal so, das schafft Fallhöhe und so. Und, mal ehrlich, wer genießt nicht einen schönen Anblick? Gut, ich könnte jetzt natürlich anfangen, zu physiognomieren, aber das ist ja eh alles Unfug, denn was dann folgte, das hätte ganz sicher nicht einmal Gustav von Aschenbach erwarten können, und der hat sich immerhin in Venedig Erdbeeren, eine Gondelfahrt mit dem Tod himself und eine Schwärmerei für den kleinen Tadzio gegönnt. Nee, nicht einmal der hätte erahnen können, was nun folgen sollte.

Und wie es weitergeht, das erfahrt ihr ein andermal. 🙂

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13 Antworten zu Bahnfahren – Gefangen im Metallkasten, Teil I

  1. Du bist so fies ! Ich will jetzt wissen wir es weiter geht. Jetzt. Sofort ! 😀

    Ich finde es toll, dass du aus früheren Jahren berichtest. Denn beim lesen hatte ich das Gefühl nicht im jetzt zu sein, sondern in einer anderen Welt. (:

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  2. Zeitzeugin schreibt:

    Schön geschrieben! Ich will auch wissen, wie es weitergeht!
    Aber bei beschissenen Bahngeschichten rennt man bei mir eh offene Türen ein ;D Die Bahn.. mein Nemesis.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Danke! 🙂

      Stimmt ja, du hast auch mal getwittert, dass du am Bahnhof festhingst. Ich frah mich, ob es irgendjemanden gibt, der mit der Bahn KEINE negativen Erfahrungen gemacht hat.

      PS: Ja, Nemesis in der Saber-Rider-Form, definitiv!

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  3. Alles was ich jetzt denke ist: Pffffffff! Frechheit!

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  4. Wortman schreibt:

    Es geht garantiert anders weiter als du es uns zu verkaufen versuchst 😉

    Genießen sie ihren Urlaub in vollen Zügen – fahren sie mal wieder mit der Bahn 🙂

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