Die Dummheit der Gamer?

Vor ein paar Tagen veröffentlichte Nintendo auf dem offiziellen Twitter-Account die Info, dass Wesley Crusher Sheldon Coopers Erzfeind Wil Wheaton seine Stimme Abraham Lincoln im kommenden Spiel Codename S.T.E.A.M. leihen wird.

Meine erste Reaktion darauf?

 

Sorry, aber das war so naheliegend, hier einen auf Sheldon zu machen. Sofern Wheaton bereits an der Vertonung der Demo beteiligt war, finde ich seine Arbeit ziemlich gut gelungen und freue mich nun umso mehr auf das fertige Spiel und auf die Gelegenheiten, zu denen ich frustriert nach einer Niederlage einfach „Wheaaatooooon!“ rufen kann. 😀

Ziemlich schnell machten sich aber auch Stimmen bemerkbar, die Wheaton, ja sogar das Spiel selbst ablehnten. Warum? Wegen Gamergate. Was das ist?

Vordergründig geht es um „ethics in journalism“, sprich, darum, dass Videospielentwickler und auf Games spezialisierte Medien vielleicht enger verbunden sind, als für objektive Berichterstattung gut wäre. An und für sich sicher eine Frage, der nachzugehen nicht verkehrt ist, und die vielleicht so manch glorreichen Test in neuem Licht erscheinen ließe.

Tatsächlich liegt der Ursprung von Gamergate in einer Indieentwicklerin, die ihren Freund betrogen hat – unter anderem mit einem Videospieljournalisten – woraufhin dieser Verlassene in einem Blogeintrag mit ihr abgerechnet hat. Mal davon abgesehen, dass dieses ganze Trennungstheater ziemlich unreif ist, entwickelte Gamergate rasch eine Eigendynamik und führte zu hasserfüllten Kommentaren, aber auch Mord- und Vergewaltigungsandrohungen, die sich gegen bekannte Internetfeministinnen, allen voran Anita Sarkeesian – deren z.T. krude Videos einen eigenen Eintrag rechtfertigen würden, vielleicht ein andermal – aber auch weit weniger „problematischen“ Figuren der Szene, wie etwa Felicia Day, richteten. Dazu kamen dann noch so „nette“ Sachen wie die Veröffentlichung privater Adressen ebenjener Frauen im Internet sowie Androhungen von Attentaten auf ebenjene Frauen.

Wheaton, so scheint es, hat sich abfällig über Gamergate geäußert – wofür er mein vollstes Verständnis hat! Und das nimmt ihm diese „Gemeinde“ von sogenannten „Gamern“ nun übel. So übel, dass sich Kommentare auf Twitter, aber auch auf „normalen“ Gamesseiten, wie etwa der von mir verfolgten Nintendolife, breit machen und Games, um die es ja eigentlich gehen sollte, hinter persönlichen Anfeindungen gegen Wheaton zurücktreten. Woraufhin diese achsotollen Gamer ein qualitativ hochwertiges, vom Setting her ungewöhnliches und vom Spielprinzip her sehr unterhaltsames Spiel boykottieren wollen.

Sorry, aber wie dumm kann man eigentlich sein?! Von Wheaton, der Privatperson, weiß ich so gut wie nichts, und das muss ich auch nicht. Solange er sich an geltende Gesetze hält, kann es mir egal sein, ob er das wandelnde Spaghettimonster Cthulhu anbetet oder darauf steht, jeden Abend mit kleinen Kätzchen zu kuscheln. Worauf es mir als Gamer ankommen sollte, dass ist die Frage, ob er einen guten Job bei der Synchronisation leistet, alles andere ist nebensächlich.

Es ist ziemlich traurig, dass in diesen aufregenden Zeiten, in denen Spiele wie Valiant Hearts oder Life is Strange, aber auch andere Projekte wie Shovel Knight und co. dank zunehmendem Crowdfunding und expandierenden digitalen Verkaufsoptionen das Licht der Welt erblicken, so eine rückwärtsgewandte Diskussion überhaupt stattfindet, die die Qualität völlig ausblendet zugunsten billigster Polemik und Sexismus.

Mir ist es egal, wer in einem Game die Hauptrolle übernimmt, und wen ich retten soll: Männlein, Weiblein, Yoshilein, völlig gleich. Was ich möchte, das sind Games, deren Spielprinzip wohldurchdacht und ausgefeilt ist, die optisch ansprechend sind (was nicht gleichbedeutend mit überrealistischer Graphik ist, ich habe z.B. Kirby und das magische Garn geliebt! Und finde trotzdem Gefallen an der Optik eines Uncharted 3 oder an Bayonetta 2.) und, was für mich ein toller Bonus ist, eine packende Geschichte erzählen. Das konnten Uncharted 1-3 (was fluche ich, dass der vierte Teil PS4-exklusiv ist! 😡 ), das kann The Last of Us (wenn ich mal zum Zocken komme 😳 ), das konnten Xenoblade Chronicles und Pandora’s Tower, das konnte Life is Strange, das konnten Remember Me und der Reboot von Tomb Raider.

Und einzig und allein darum sollte es meiner Meinung nach bei Games gehen.

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