Alles eine Frage der Perspektive

Jaja, man hat es nicht leicht als Mensch, der Nachrichten liest und versucht, sich ein wenig auf dem Laufenden zu halten. Der dabei versucht, möglichst viele Quellen zu nutzen, Quellen wie namhafte Zeitungen/-schriften bzw. deren Onlinepräsenz, aber auch Videotexte der öffentlich-rechtlichen Sender und den Klatsch und Tratsch diverser Mailportale (ja, sorry, aber während ich mich einlogge, schweift der Blick über die „Schlagzeilen“. Vergeudete Lebenszeit, so oder so).

So war heute morgen zu lesen, dass zwei deutsche Graffiti-SchmierfinkenKünstler in Singapur zur „drakonischen“ Strafe von neun Monaten Haft und drei(!) Schlägen mit dem Rohrstock auf den nackten Hintern verurteilt wurden. So eine schreckliche, schreckliche Strafe aber auch, und das alles „nur“ dafür, dass sie in ein U-Bahndepot eingedrungen waren und einen U-Bahnwagen besprayt hatten. Dass in Singapur bereits früher ähnliche Vergehen änhlich „hart“ bestraft wurden und die beiden nach ihrer Tat flüchtig waren, das alles spielt keine Rolle. Ganz ehrlich? Ich finde diese Strafe weder hart noch drakonisch, sondern angemessen. Haft sowieso, da hier Hausfriedensbruch (dürfte das passende Wort sein, notfalls halt widerrechtliches Betreten von Privatgrundstück) und vorsäctzliche Sachbeschädigung vorliegen. Und die drei Schläge auf den Hintern werden die beiden nicht umbringen, aber ihnen vielleicht ein bisschen Verstand einprügeln. Wäre zu hoffen, damit sie bei ihrer Rückkehr nach Deutschland nicht auf die Idee kommen, hier zu „künstlern“. Es sieht in meinen Augen einfach nur dreckig und verlottert aus, wenn (U-)Bahnwagen besprayt sind, und man nicht mal aus dem Fenster sehen kann vor lauter „Kunst“. Hier die Konsequenzen der eigenen Tat tatsächlich zu spüren zu bekommen, das ist in meinen Augen angemessen.

 

Aber wie so oft im Leben gibt es auch andere Perspektiven. Laut Videotext wurde in den letzten Tagen der Fall zweier junger Mädchen verhandelt, die ein gleichaltriges Mädchen verprügelten und dies mit ihrem Handy filmten. Eine zutiefst verachtenswerte Tat, wie ich finde. Glücklicherweise – denn das muss man mittlerweile schon hinzufügen – waren die Täterinnen bereits 14, sodass es überhaupt ein juristisches Nachspiel haben konnte. Tja, und das Urteil? Grandios, hart, unnachgiebig, konsequent, dafür sorgend, dass die Mädels umdenken werden und so etwas nie wieder tun werden.

Fast.

Ein paar Monate auf Bewährung und 80 Stunden Sozialarbeit. Cool, oder? Paar Wochen ein, zwei Stunden seines Nachmittags opfern – länger am Stück wird es eh nicht sein, denn zwischen Schule, Freunden, außerschulischen Aktivitäten und Eltern muss das Kind ja auch noch LEBEN! – und dort ein bisschen gammeln, denn wirklich arbeiten werden die wohl eher nicht, und die Sache hat sich. Bei solchen „Strafen“ wundert es mich nicht mehr, dass Leute (tot)prügeln immer häufiger zum „Sport“ wird. Anstatt mal knallhart einen vor den Bug zu geben und vielleicht mal einen Monat Jugendhaft durchzusetzen, z.B. in den Sommerferien, wo es besonders weh tut. Aber nöö, die armen Mädels sind doch eh schon gestraft genug, sie mussten ja vor Gericht erscheinen. Oh, und das Beste? Auf dem Video ist offenbar eine ganze Gruppe zu sehen, die prügelt, verurteilt wurden aber nur zwei zu einer Bewährungsstrafe, die anderen kommen mit Sozialstunden davon. Großartige Justiz. Ich freu mich schon darauf, solchen Mädels mal auf einem Bahnhof zu begegnen und mache mich deshalb mal daran, mein Testament zu verfassen.

 

Ganz ehrlich? Unterm Strich ist mir das Urteil aus Singapur sympathischer. Und hätte auch den prügelnden Mädels gut getan.

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2 Antworten zu Alles eine Frage der Perspektive

  1. Erstaunlicher Weise stimme ich dir zu, was die Strafe für die beiden „Künstler“ angeht. Ich will damit nicht sagen, dass ich körperliche Strafe an sich richtig finde, sie gehört in allen Ländern abgeschafft (zumindest für „Verbrechen“, die keine Körperverletzung, Vergewaltigung, Mord usw. beinhalten und selbst bei diesen bin ich nicht sicher, ob es sein müsste…), aber sie sind in das Land gereist und was soll ich sagen: Andere Länder, andere Sitten… Man erkundigt sich vorher- ich fliege ja auch nicht nach Thailand um Drogen zu schmuggeln oder in die Vereinigten Arbischen Emirate um mich da nackig am Strand zu sonnen… Also: Strafe verdient, sie werden es überleben!

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Ja, unser Rechtssystem ist ohne körperliche Strafen sinnvoll und gut – sofern die Strafen dann auch angemessen sind. Leute, die betrunken Auto fahren und Unfälle mit Todesfolge verursachen, verdienen meiner Meinung nach keine Bewährung mehr, aber gut.
      Es ist halt putzig, weil Hinz und Kunz – pardon, Politiker oder die Zeitung für prägnante Schlagzeilen – nicht müde werden, zu betonen, dass, wer nach Deutschland kommt, deutsches Recht beachten muss (naja, ob das immer klappt, wenn sogar manche Politiker das nicht schaffen), aber plötzlich das Recht in Singapur bitte nicht gelten soll.

      Gefällt 2 Personen

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