Timing, Teil zwei

Tja, Timing. Timing ist eine feine Sache – oder es bricht einem das Genick. Manchmal kann man auch darüber lachen. Komische Sache, das.

 

Vor einigen Jahren war ich zu einer Geburtstagsparty eingeladen, machte mich also (wie könnte es anders sein?) auf, mit der Bahn zum Haus des Geburtstagskindes zu fahren. Nach der ein oder anderen Stunde, Bahnfahrten haben es ja in meinen Augen so an sich, dass die Zeit, die man in dem Metallkasten verbringt, nicht gescheit quantifizierbar ist, kam ich also an, wurde vom Geburtstagskind samt bester Freundin abgeholt und zum Haus begleitet. Unterwegs unterhielten wir uns über dies und jenes und alles zugleich. Freudig – und ein wenig hungrig, aber das ist normal, ich liebe einfach gutes Essen – kam ich also am Haus an. Überreichte mein Geschenk, nachdem ich ja schon am Bahnsteig gratuliert hatte, und beobachtete erfreut, dass es gut ankam. Hilft, wenn man einen ähnlichen Musikgeschmack hat.

Danach ging es erst einmal ein wenig an Knabberzeugs und DVD, bis das Essen fertig war (ich weiß leider nicht einmal mehr, was es gab, was eigentlich seltsam ist, aber gut, das, was noch kommen würde, blieb eben stärker im Gedächtnis haften). Wir saßen also alle im Wohnzimmer, schauten den Film und amüsierten uns köstlich, war irgendeine Komödie. Irgendwann verließ das Geburtstagskind die Runde, und ich hab nicht mitbekommen, wohin die Reise gehen sollte. Nach einigen Minuten stand ich auf, und wollte das örtliche Örtchen besuchen, um mich ein wenig mit Winston Churchill zu unterhalten. Ging also zur Tür, drückte die Klinke herunter, öffnete die Tür – als ein markerschütternder Schrei ertönte! Könnte auch ein Piepsen oder Quieken gewesen sein, aber in dem Moment… . Schnell riss ich die Tür wieder zu, spürte, wie ich knallrot anlief, und wollte mir am liebsten den Kopf gegen die Wand schlagen.

Tja, was war passiert? Die Badezimmertür schloss nicht gescheit ab, das Geburtstagskind saß auf der Toilette und bekam wohl den Schreck ihres Lebens. Und ich, ich schämte mich in Grund und Boden.

Der Rest des Tages verlief jedoch problemlos, sie hat es mir nicht übel genommen. Gab dann noch lecker Essen, und abends dann wurde ich nach Hause gefahren – Luxus!

 

Zu Hause dann schaltete ich den Fernseher ein, weil mir das Timing erlaubte, noch die damals für mich neue Folge Coupling anzuschauen (sehr empfehlenswerte Serie übrigens!). Ich saß also da, den Tag und seine seltsamen Ereignisse im Hinterkopf, als die Folge anlief. Worum es ging? Susan, eine der Protagonisten, hatte das Badezimmer ihres Freundes umdekoriert, und dabei – Timing! – das Türschloss entfernt. No lock on the door! Ein Schreckgespenst aus meinem Leben, televisionär bearbeitet! Es kam, wie es kommen musste, beim gemeinsamen Abendessen unter Freunden öffnet Jeff die Tür, glücklich und zufrieden, da er für das Schlossproblem eine sehr eigene Lösung gefunden hatte. Und fand natürlich prompt die Toilette bereits von einer jungen Frau besetzt.

Da saß ich also vorm Fernseher und konnte quasi „live“ dabei zuschauen, wie meine Tagespeinlichkeit filmisch verarbeitet und ausgewalzt wurde. Timing eben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erinnerungen, Tage zum Vergessen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Timing, Teil zwei

  1. singendelehrerin schreibt:

    Herrliche Geschichte! 😀 Solche Zufälle – oder Launen des Schicksals, oder eben so ein Timing – liebe ich! Ich finde, solche Dinge geben doch dem Leben die richtige Würze. Die Folge von „Coupling“ ist übrigens großartig – ich bin ja so froh, dass ich durch Bloggerkollegen auf diese Serie aufmerksam gemacht worden bin.

    Gefällt 1 Person

    • pimalrquadrat schreibt:

      Ja, hinterher konnte und kann ich auch drüber lachen, aber im ersten Moment saß ich wirklich da und bekam den Mund kaum zu. 😀

      Coupling ist großartig, schön, dass du auch Gefallen an der Serie findest. 🙂
      Und, besonders schön, die sprechen so ein wunderbares Englisch! Und Steves rants sind so noch viel witziger. :mrgreen:

      Gefällt mir

  2. metalcombat schreibt:

    Mir gefällt nicht nur der Text an sich, sondern auch dein Schreibstil generell. Weiter so.

    (lg vom Trooper mit dem Ferkelbild. :D)

    Gefällt mir

  3. mellimomente schreibt:

    Oh Gott, das gehört locker zu den peinlichsten Dingen, die einem passieren können…
    genau so, wie der Begegnung eines frisch geduschten, nackten Hausbewohners, auf dem Flur, weil dieser nicht wusste, dass man im Haus ist…
    Momente, bei denen man gerne unsichtbar werden würde…

    Gefällt 1 Person

    • pimalrquadrat schreibt:

      Je nach Hausbewohner kann das aber auch angenehm sein. *an die hübsche – und leider imaginäre – Mitbewohnerin denk* :mrgreen:

      Aber klar, da möchte man versinken und verschwinden. Aber solange man hinterher drüber lachen kann. 😀

      Gefällt mir

      • mellimomente schreibt:

        Naja ich stand schonmal unerwartet vor dem hübschen, kaum bekleideten Bruder eines Freundes *hach* und es war trozdem exxxtrem peinlich ^^

        Gefällt mir

        • pimalrquadrat schreibt:

          Mööönsch, lass mir doch die Phantasie. 😛 XD

          Aber klar, wenn das im (erweiterten) Freundeskreis passiert, ist das auch doof. ^^

          Gefällt mir

        • mellimomente schreibt:

          Naja, kommt wohl drauf an, wie gut man sich kennt 😉 Die hübsche, kaum bekleidete, schlanke, Dame, mit dem langen dunklen Haar frisch geduscht, ihre Haut benetzt mit funkelnden Tröpfchen …- weiter red ich nicht, wollt dir nur deine Phantasie lassen^^

          Gefällt 1 Person

        • pimalrquadrat schreibt:

          So, und nachdem du dich abgetrocknet hast, darfst du ein Bild schicken. 😛 :mrgreen:

          Spaß beiseite, logisch, bei jemandem, den man gut kennt, da besteht immer die Möglichkeit, dass das Verhältnis unangenehm wird, aber meistens steckt das die Freundschaft weg. Eine flüchtige Bekanntschaft, da ist es im Moment unangenehm, auf Dauer aber eher folgenlos.

          Gefällt mir

  4. mellimomente schreibt:

    hahahah,ich hätte mich selbst anders beschrieben, wenn ich mich gemeint hätte^^
    Der Bruder und ich, wir rennen nur noch wie Tomaten aneinenader vorbei ^^

    Gefällt mir

  5. mellimomente schreibt:

    jaja, Jugend als Ausrede für alles^^

    Gefällt mir

  6. Freu dich ! Wann hat man denn schon so eine Gelegenheit, seine Erlebnisse nochmals im Fernsehen mitzuerleben. ;D

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s