Valiant Hearts – Unvergessliches Erlebnis

Ich hatte ja bereits früher angekündigt, dieses Spiel unbedingt haben zu wollen. Testberichte waren hervorragend, graphisch war es sehr ansprechend und das Gameplay war, nach dem Trailer zu urteilen, auch mein Fall. Dazu kommt, dass sich alle Stimmen soweit einig waren, dass das Spiel mit dem Thema „Erster Weltkrieg“ sehr gut umgeht, Hintergrundinfos bietet und den Krieg alles andere als glorifiziert.

 

Mittlerweile habe ich es beendet, nicht ohne dabei vom Ende heftig mitgenommen zu werden. Zu Tränen gerührt saß ich da, als der Abspann lief. Puuh, noch immer bekomme ich eine Gänsehaut bei der Erinnerung daran. So ein Ereignis ist bereits an sich nicht leicht zu verdauen, es aber selbst zu „spielen“, oha.

 

Worum geht es also? Nun, die Handlung spielt in Frankreich, 1914-1917. Emile, ein französischer Landwirt, lebt mit seiner Tochter Marie und seinem Schwiegersohn Karl, in St. Mihiel, einem kleinen Dorf. Dann bricht der Welktrieg aus, Karl wird, wie alle Deutschen damals, des Landes verwiesen, was die Familie auseinanderreißt. In Deutschland wird er zwangsrekrutiert. Emile wird ebenfalls rekrutiert, und so beginnt das Spiel damit, dass man mit Emile die „Ausbildung“ der Soldaten durchläuft, sieht, wie die Kameraden zu Beginn des Krieges noch in einer Hochstimmung befindlich singen und trinken und feiern. Und einen Soldaten bepöbeln, Freddie. Dieser ist Amerikaner, und hat sich freiwillig gemeldet. Erst später erfährt man, warum er sich dazu entschlossen hat. Und so beginnt die Geschichte, und die Protagonisten werden später noch um Anna, eine Belgierin, die sich zum Sanitätsdienst gemeldet hat, und um Walt, den Hund, ergänzt werden. Die Handlungsstränge dieser fünf Figuren kreuzen sich im Laufe des Spieles immer wieder und man trifft sie an den verschiedensten Orten wieder. Und ich zumindest habe sie sehr ins Herz geschlossen, mehrfach hatte ich Herzrasen, weil es nicht gut aussah, und das Ende… Ja, das Ende, das hat mich tief bewegt.

Was sich erst einmal harmlos anhört, das wird sehr schnell schwer verdaulich. Anders als in so vielen „Kriegsspielen“ ist nämlich keine der Figuren wirklich bewaffnet, und stirbt auch wie ein „normaler“ Mensch im Maschinengewehrfeuer, oder durch Bomben und Granaten. Man muss also doch mit Bedacht spielen (keine Sorge, Rücksetzpunkte sind gut platziert), ganz so, als ob man selbst in der entsprechenden Situation wäre. Dazu kommt, dass man im Verlauf der Handlung verschiedene, geschichtsträchtige Orte und Ereignisse durchlebt, so z.B. Verdun oder die Offensive beim Chemin des Dames, oder die „Taxis de la Marne“. Und das Spiel zögert nicht, die grenzenlose Brutalität (und leider auch die Sinnlosigkeit) der damaligen Offensiven hervorzuheben, wenn etwa im Hintergrund Soldaten im Kugelhagel fallen, von Giftgas getötet werden. Und die Offensive des „Chemin des Dames“ ging mir zumindest sehr an die Nieren, ohne spoilern zu wollen, aber es ist sehr hart, hier ruhig Blut zu bewahren.

Keine Angst, man „sieht“ nichts, die comicbuchartige Optik sowie eine großartige Kameraführung/Regie verhindern, dass man irgendetwas in zu großem Detailreichtum sieht. Dennoch ist das Spiel sehr drastisch, nicht zuletzt auch aufgrund der großen Diskrepanz zwischen Inhalt (das unmenschliche Metzeln von zigtausend Menschenleben) und Form (die comichafte Graphik). Aber das Spiel hat auch leichtere Passagen, so muss man z.B. einem deutschen Offizier sein Essen zubereiten, einem französischen hingegen die Uniform versauen, damit er sie auszieht und man sie ihm klauen kann.

Abgerundet wird das Spiel durch zwei weitere Elemente, die mir sehr gut gefallen haben. Zum einen befinden sich über die vier Kapitel verteilt Gegenstände, die man sammeln kann, z.B. Helme, aber auch Münzen, Pfeifen, (Post-)Karten und Briefe, die einen noch viel tiefer in die Schützengräben hineinziehen und mitreißen. Außerdem werden zu jedem Level des Spiels historische Hintergrundinfos geliefert, denn das Spiel ist in Zusammenarbeit mit Veteranenverbänden entstanden. So wird die Grausamkeit, die man im Spiel selbst erlebt, in ihren Kontext eingebettet und man realisiert erst, wie schlimm es war für all jene, die damals in den Schützengräben kämpften, bzw. kämpfen mussten. Gut, man kann das auch mit seinem Wissen aus dem Geschichtsunterricht und Dokus, aber ich finde es hier eben sehr gut gemacht und platziert.

 

Ich würde das Spiel uneingeschränkt weiterempfehlen, wenn es an Spieler geht, die alt genug sind. Gerade jüngere Gamer sollten hier aber unbedingt begleitet spielen, weil es doch ziemlich heftig ist und da sicherlich Redebedarf bestehen dürfte, und sei es nur, um den eigenen Gefühlen Luft zu machen.

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3 Antworten zu Valiant Hearts – Unvergessliches Erlebnis

  1. Marille Gruenblatt schreibt:

    Da bekomme ich direkt Lust, es auszuprobieren! (…wenn ich dann mal in drei Monaten mit Mass Effect fertig bin) 🙂

    Gefällt 1 Person

    • pimalrquadrat schreibt:

      Oh, oh, Mass Effect! Da hab ich alle drei auch hier, das muss ich auch noch spielen. 😳
      Aber Valiant Hearts lohnt sich, da kann man nichts falsch machen. Vorher noch einen Trailer anschauen, um mal bisschen Atmosphäre zu schnuppern, und dann zuschlagen. 😉

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  2. Pingback: 31 Tage – 31 Songs und Games: Tag 11 | pimalrquadrat

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