Ich schreibe morgen…

… eine Arbeit!

 

Wie oft bekomme ich diesen Satz zu hören? Ganz gerne von Schülern, die ich seit dem letzten „Ich schreibe morgen eine Arbeit“ vor zwei, drei, vier, sechs Wochen nicht mehr gesehen habe.

Regelmäßig etwas für Mathe zu tun, sich Sachverhalte erklären zu lassen, die man selbst nicht versteht, neuen Stoff zu üben und einfach am Ball zu bleiben, das ist absolut überbewertet. Nee, es reicht ja, dass man zur Nachhilfe geht, denn da wird man geholfen. Auch am Abend vor einer Mathearbeit, für die man bisher noch nichts getan hat („Keine Zeit“, „Es ist doch Montag, da kann ich nichts für die Schule tun, das ist ja noch halb Wochenende!“, „Ich hab nicht nur Mathe“ – und ich wette, dass es in den anderen Fächern auch immer der Abend vor der Arbeit ist, an dem angefangen wird…), denn: Nachhilfe wirkt!

Man nehme dafür einen Schüler, mäßig bis gar nicht am Stoff interessiert (ok, kann ich nachvollziehen, nicht jeder findet Mathe so toll wie ich), drei Portionen „Ich hab keine Ahnung, was drankommt“, einen Viertelliter „Das versteh ich nicht“, sowie eine Portion „Das hab ich noch nie gesehen“ und einen Esslöffel Ungeduld. Ja, denn manche dieser Schüler zeichnen sich durch eine unbezähmbae Ungeduld aus. Wenn ich mich auch nur fünf Minuten von ihnen entferne, um den anderen „Ich schreib morgen eine Arbeit“-Schülern zu helfen, kommen finstere Blicke, verschränkte Arme und eine Verweigerungstaktik zum Tragen. Solange ich nicht daneben stehe, erkläre, wiederhole, dabei auf Potenzgesetze und/oder Logarithmengesetze und/oder binomische Formeln und/oder Mitternachtsformel verweise, tja, solange passiert auch nichts.

Besonders giftige Blicke ernte ich in solchen Situationen, wenn ich darauf hinweise, dass diese Inhalte Stoff von Klasse 7/8/9/10 sind, also definitiv schon mehr als einmal da waren.

 

Wenn man das alles also dreimal gut umrührt, erhält man einen Schüler, der sich in 90 (manche davon nehmen auch gerne zwei Kurse mit, also 180) Minuten lang Mathe reingepfiffen hat. Und mit etwas Glück auch einen Teil davon bis zur morgigen Klausur behält und anwenden kann.

Nachhaltig ist das natürlich nicht. Sinnvoll? Naja. Aber es nimmt überhand. Erst gestern wieder: Ich schreib am Freitag eine Arbeit. Gut, das ist zwar nicht morgen (also heute, versteht das noch jemand?), aber besagte Schülerin war das letzte Mal im alten Schuljahr(!) da. Hm. Und ihre erste Aussage nach „Freitag. Arbeit.“ war: „Ich hab keine Ahnung von dem, was drankommt.“ Big surprise.

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10 Antworten zu Ich schreibe morgen…

  1. Hauptschulblues schreibt:

    Deswegen sage ich ja immer: Nachhilfe nur bei Krankheit, Schulwechsel oder Bundeslandwechsel.

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Ja, diese Schüler, die immer am nächsten Tag eine Arbeit schreiben, die sind z.T. einfach nur übelst faul.

      Dank dir und Frau Henners Einträgen denk ich aber auch vermehrt darüber nach, ob Nachhilfe Sinn macht oder nur die logische Folge davon ist, dass die Grundschulempfehlungen ignoriert werden.

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  2. Diese Situation kenne ich zu gut, bei meinen jüngeren Schwestern. Die Tage davor verlieren sie kein Wort darüber, dass eine Arbeit geschrieben wird und erst am vorherigen späten Abend!

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Ist wohl wirklich sehr weit verbreitet. 😕

      Aber dieses Erledigen auf den letzten Drücker, das geht halt nicht immer gut. Gerade dann, wenn es um Fächer geht, in denen Schülerlein schlecht sind.
      Wie läuft das denn bei deinen Schwestern? Kommen die durch, oder ist das immer so ein Spiel auf Messers Schneide?

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      • Meine eine Schwester ist gerade erst in der 5.Klasse und da läuft alles super. Nur muss man der ganz schön hinterher laufen, damit sie was macht. Aber es wird immer besser und sie realisiert selbst, wie wichtig das für sie ist.

        Ich glaube auch, dass die Kinder das heutzutage total gerne machen. Später jedoch werden sie es sicher bereuen. ^^

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ok, das kommt mir irgendwie bekannt vor. 😀
          Gut, wenn sie einsieht, dass sie etwas machen muss.

          Ja, hinterher wachen sie dann auf. Hatte eine Schülerin, die für einen Aufnahmetest zu ner Ausbildung Kopfrechnen und so können musste. Was hat die sich geärgert, bisher alles mit dem Taschenrechner gemacht zu haben, weil sie jetzt Kopfrechnen lernen musste. XD

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  3. tinatainmentia schreibt:

    *Pi-Er die Flosse reich*
    Welcome to the show! :mrgreen:
    Amen.

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  4. Marille Gruenblatt schreibt:

    Ich musste gerade sehr lachen (und die Augen verdrehen), denn genauso sind meine Nachhilfeschüler auch. Eine unschuldige SMS am Nachmittag: „Hast Du morgen Zeit?“ Ungeschrieben: in zwei Tagen ist Test.
    Da kommt doch immer Freude auf 😉

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Oh, wem sagst du das. 🙄
      Du machst das privat? Hatte ich eine zeitlang während des Studiums, aber dann wieder gelassen, weil dieses ständige „hach, heut mag ich nicht, meld mich aber erst 10 Minuten vorher“ und „hach, heut ist es ganz ganz dringend, können wir nicht länger machen“ nervt total. Und planen kannst du da eh nix.
      Da lob ich mir doch die Institute, so mies die andererseits auch sind, was z.B. Preise für die Schüler betrifft.

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