Vom Bloggen

Nun ja, was soll ich sagen? Mittlerweile, nach einem Monat, kann ich eine erste Bilanz ziehen.

 

Macht das Bloggen Spaß? Jupp, definitiv. Über alltägliche Erlebnisse oder den ein oder anderen Gedankengang, der sonst nur in meinem Kopf gekreiselt wäre, zu schreiben, das ist schon fein. Es hilft dabei, Frust loszuwerden nach einem anstrengenden oder unbefriedigenden Tag. Außerdem erlaubt es mir, erlebte Dinge zu reflektieren, gegebenenfalls neu zu bewerten oder eben einfach zu verarbeiten.

Wichtig für mich ist dabei auch, dass ich wieder mehr schreibe. Ich hatte nie ein Tagebuch und auch nie das Bedürfnis danach, eines zu führen, aber durch Schule und Studium war ich mehr oder minder freiwillig immer am Schreiben. Das hat doch stark nachgelassen. Es tut aber soo gut, wieder mehr Gedanken zu Papier (naja) zu bringen, anstatt einfach immer nur Gedankenkarusell zu spielen.

Und Schreiben ist sehr wichtig. Ich merke es daran, dass sich mein geschriebenes Französisch stark verschlechtert hat – aus dem einfachen Grund, dass ich kaum zum Schreiben komme, seitdem ich aus der Schule raus bin. Außer auf einem kleinen RPG-Forum, auf dem sich die meisten auf ein doch sehr umgangssprachliches Französisch beschränken (was sich bei mir daran zeigt, dass ich ohne Akzente schreibe. Mal ehrlich: die mit ner Tastatur zu setzen finde ich so verflixt mühsam!), schreibe ich nicht mehr. Aber von Schrift lebt eine Sprache mindestens genauso wie vom Gesprochenen. Was ich manchmal auch merke, wenn ich auf Deutsch schreibe. Anders im Englischen, da ich größtenteils im englischsprachigen Internet als Leser unterwegs bin, und sich die Mehrzahl meiner Bücher in englischer Sprache findet.

 

Kurzer Rede langer Sinn: Schreiben hat mir gefehlt. Bloggen gibt es mir wieder!

 

Aber mehr noch – und hier merke ich eine Tendenz, auf die ich weiter unten noch einmal zu sprechen kommen werde – gibt mir das Bloggen Kontakt zu anderen, interessanten Menschen. Sei es, weil ich deren Blogs lese und kommentiere, sei es weil sie meinen Blog lesen und kommentieren. Hier (d.h. auf den diversen Blogs) kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen mit verschiedenen Persönlichkeiten und Ansichten, um sich auszutauschen, Mut zuzuschreiben oder gemeinsam zu lachen (naja, so gemeinsam es eben vor zig Dutzend Bildschirmen geht. 😉 ). Und das find ich klasse! Mal aus der Perspektive (anderer) Schüler einen Blick in die Klassenzimmer der Republik zu werfen, den ein oder die andere Lehrerin zu begleiten in ihrem täglichen Kampf gegen Hormone, Unlust und Unwissen, aber auch gegen den eigenen Schweinehund, oder von meiner Warte aus, Menschen an etwas teilhaben zu lassen, was sie vielleicht selbst so nie erlebt haben, das sorgt dafür, dass der eigene Erfahrungshorizont erweitert wird. Es sorgt dafür, dass ich mich in andere Menschen hineinversetze und versuche, Situationen nachzuempfinden, die ich so nie erlebt habe, aber von denen ich sonst auch nie erfahren hätte.

Ich bin alles andere als ein kontaktfreudiger Mensch, so groß meine Klappe auch sein mag, wenn ich mich inmitten von bereits bekannten Menschen befinde, aber hier hat sich ein kleines Fleckchen Cyberspace gefunden, auf dem ich mich mit anderen austauschen kann. Vielleicht ist es auch ein Teil Selbstdarstellung (ach was, natürlich ist es das!), bzw. das Bedürfnis danach, gesehen (und akzeptiert?) zu werden, welches sich auf diese Art befriedigen lässt. Wodurch ich, so finde ich, die Menschen ein wenig verstehen kann, die alle paar Sekunden twittern und instagrammen müssen – weil sie genau dieses Gefühl von „Gesehenwerden“ suchen. Denn, und das fällt mir auf, es macht ein Stück weit süchtig. Danach, zu sehen, wer alles hier mitliest, wem etwas gefällt, wer kommentiert, wer selber schreibt. Es ist immer wieder aufs Neue spannend, zu sehen, dass jemand kommentiert hat. Und da dies ja das Internetz ist, besteht sofort die Möglichkeit der Interaktion, nur einen Klick auf „antworten“ entfernt…

Ich weiß noch nicht, wie ich das einschätzen soll. Zum ersten Mal sehe ich die Gefahr des sich Verlierens, die ich bisher trotz langjähriger Gamerei nie gespürt habe. Obwohl ich ganz bewusst einen großen Bogen um die MMORPGs (Massively Multiplayer Online Role-Playing Games) gemacht habe, einfach weil es sich dabei um Endlosspiele mit großer sozialer Komponenten, bei der die Gefahr einer Substitution der echten Welt besteht, handelt. Es wird für mich also wichtig sein, ein Gleichgewicht zu finden und mich manchmal auch einfach auf die Finger zu setzen, anstatt gleich den nächsten Kommentar nachzuschieben.

 

Zuletzt noch ein Dankeschön an diejenigen, die hier fleißig mitlesen. Als ich mich mit dem Gedanken, zu bloggen, beschäftigt habe, war das ein großes Fragezeichen. Würde hier überhaupt jemand mitlesen? Mittlerweile kann ich sagen: Ja! Und das freut mich sehr. 🙂

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14 Antworten zu Vom Bloggen

  1. tinatainmentia schreibt:

    Und uns freut es sehr, dass du dich dazu entschieden hast zu bloggen. 🙂

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  2. Ich gebe dir vollkommen Recht, dass schreiben sehr wichtig ist. Es befreit nicht nur, es lässt auch der unbekannten Kreativität freien Lauf. (;
    Zu Beginn und noch bevor ich meinen Blog erstellt habe, hatte ich mich auch oft gefragt ob man meinen Blog überhaupt lesen würde. Ich glaube man braucht sehr viel Geduld und dann lockt man schon irgendwen an. (:
    Und ich danke auch dir, dass du fleißig meine Beiträge kommentierst. Das freut mich immer sehr, dass es jemanden gibt der sich diese so intensiv durchliest.

    Gefällt 1 Person

    • pimalrquadrat schreibt:

      Definitiv. Es findet sich schon eine Leserschaft. Manchmal braucht es etwas Zeit, aber da wir Blogger auch fleißig am Netzwerken sind, besteht immer die Möglichkeit, durch einen Klick bei einem tollen Blog zu landen. 🙂

      Nichts zu danken, ich les deinen Blog gerne, weil ich diese Pendelei so oder so ähnlich auch erlebt hab und mich da gerne mit dir über die Bahn ärgere. 😉

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  3. frauhilde schreibt:

    Vollste Zustimmung.
    Der Gefahr des Sich-Verlierens muss man sich wohl bewusst sein; und sich dann nicht unter Druck setzen (lassen), wenn einem halt mal nichtgs Bloggenswertes einfällt.

    Aber schön, dass du Bloggerhausen mit deinem Gedankensalat (ich mag das Wort immer noch!) bereicherst! 🙂

    PS: Blog doch mal was auf französisch!

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    • tinatainmentia schreibt:

      …aber schreib mir dann eine Zusammenfassung auf Deutsch per Mail, sonst muss ich wohl die Schwester bemühen oder NOCH schlimmer: Den Google-Translator! :mrgreen: 😆

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      • pimalrquadrat schreibt:

        Ach, das schaffst du sicherlich auch ohne Google. 😛
        Oder du bringst deine Schwester her, eine Leserin mehr für mich! :mrgreen:

        Lässt sich machen, aber die Übersetzung wird es mit etwas Zeitverzgerung auch hier zu lesen geben. 😉

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        • tinatainmentia schreibt:

          :mrgreen: Überschätz das mal nicht, Leseverständnis habe ich in Französisch vielleicht A2 oder so…
          Hach, die Schwester, die ist immer so im Stress, die hat gar keine Zeit für das große weite Internet und das Sich-Verlieren in Blogs. 😀 Umso besser, denn sonst würde die womöglich über dich am Ende noch auf meinen Blog stoßen, das muss nun auch nicht sein. 😛

          Alles klar, dann sei es genehmigt! :mrgreen:

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Na, dann probier ich es erst recht aus! 😛
          Mit ganz besonders fiesen Konstruktionen, subjonctif und so, und fiesen Seitenhieben, die ich bei der Übersetzung weglassen werde. 😈

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Danke! 🙂

      Ja, das ist noch was, woran ich beim Verfassen nicht mal gedacht habe, der Erwartungsdruck. Man möchte seinen Lesern ja auch etwas Unterhaltsames bieten. Klappt mal besser, mal schlechter. Bisher mach ich mir dazu aber (noch?) keinen Kopf, ich schreibe erst einmal darüber, was mich gerade beschäftigt. Und noch klappt das ganz gut.

      Auf Französisch? Darüber ließe sich reden. 😉
      Die passende Überschrift hab ich dank dir auch schon. 😀

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  4. Anna schreibt:

    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und denke es ist noch nicht zu spät für ein herzliches Willkommen in Bloggerhausen 🙂

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  5. teacheridoo schreibt:

    Könnte ich Wort für Wort so unterschreiben. Schön, dass Du zu uns gestoßen bist. 🙂

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