Was sich Schüler merken…

Schüler sind schon eine seltsame Spezies. Zwischen Hormonen, (Un)Lust, Treudoofigkeit und noch ganz anderen Dingen hin- und hergerissen, kann man sich nur einer Sache sicher sein: Keiner.

Oder, um bei einem meiner Lieblingsautoren zu stibitzen: Man kann alles, was es zu Schülern zu wissen gibt, in einem Monat lernen, und doch können sie einen auch nach 100 Jahren noch überraschen.

 

Anstatt dass sich Schüler Sachen wie Potenzgesetze, binomische Formeln oder wahlweise die p-q- oder die abc-Formel merken, über die ich mir den Mund fusselig rede, die ich wiederhole bis zum Gehtnichtmehr (erst gestern wieder abgefragt, 50% wussten sie mal wieder nicht), was tun sie viel lieber? Sie ziehen aus 90 Minuten Nachhilfe den einen Satz, der inhaltlich absolut sinnfrei ist. Der mit übertriebener Intonation und einem breiten Grinsen im Gesicht des Nachhilfelehrers (stets zu Diensten) gesprochen wurde. Den einen Satz, der normalerweise definitiv als Humor zu erkennen ist. Und nehmen ihn ernst! So ernst, dass sie sich gar nicht mehr in die Schule trauen, Angst vor der Nachhilfe bekommen und die Mutter, nicht minder verstört und beinahe panisch, in der Nachhilfe anruft, um sich zu beschweren, man möge das doch bitte sofort klären.

Das Mädel ist, bitte festhalten, in Klasse 9, und damit irgendwo zwischen 15 und 16!

 

Was also war geschehen, dass solche Auswüchse daraus hervorgehen?

 

Sie sollte sich die Lösungsformel für quadratische Gleichungen aneignen bzw. üben. Sollte, da die im Unterricht behandelt worden war. Ich, der ich so bin, wie ich nun einmal bin, verweise darauf, dass diese Formel wichtig sei und bitte gelernt werden solle. Macht einem das Leben letztlich einfacher, nicht erst zehn Minuten in der Formelsammlung suchen zu müssen. Schülerchen meinte dann, ihre Mathelehrerin würde sicherlich die Formel(!) immer zu den Aufgaben in der Klassenarbeit dazuschreiben

Gut, das glaub ich sowas von gar nicht. Erst recht nicht, weil Realschüler ihre Formelsammlung benutzen dürfen! Sorry, aber wenn ihnen der Hintern dermaßen hinterhergetragen wird, dass sie nicht mal mehr nachschlagen müssen, wozu dann noch Schule?!

 

Aber zurück zur Schülerin. Auf ihre Aussage kommt von mir folgendes:

 

„Dann werd ich mal bei deinem Lehrer anrufen und dem sagen, dass er bitte die Formel in der Klassenarbeit Niiiicht bei den Aufgaben dazuschreiben wird, denn sowas geht ja gaaaaaar nicht.“

 

Das hat sie wirklich ernst genommen. In der 9. Klasse. Mal von Betonung, Intonation, meinem Grinsen von hier bis Timbuktu abgesehen: woher bitteschön sollte ich denn die Telefonnumer, oder auch nur den Namen des Mathelehrers her haben?! Und selbst wenn: mal ehrlich, wer würde sich denn bitteschön vom Nachhilfelehrer reinreden lassen?

 

Aber so sind sie leider, und es sind nicht wenige. Die mit Sprache nicht wirklich etwas anfangen können. Und stattdessen lieber Panik schieben, dass der Mathelehrer sie jetzt drangsaliert, weil ich ihn dazu aufgefordert hätte…

 

Ab sofort gibts also bei mir keinen Humor mehr, nur noch Mathe. Starr und diszipliniert, 90 Minuten ohne Pause, ohne Auflockerung. Hmpf.

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10 Antworten zu Was sich Schüler merken…

  1. tinatainmentia schreibt:

    Wie… willst du damit jetzt etwa sagen, du hast den MATHELEHRER kontaktiert… 😮 Nur, um der Schülerin das Leben zur Hölle zu machen… 😥 Also, du bist mir ja einer… *empört davonklick*

    😉

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Tjaja, das hat die wirklich geglaubt. Ts, vielleicht sollte ich das nächste Mal statt Mathe mal etwas über Ironie, Sarkasmus und dergleichen machen. Aber das würde die arme Schülerin ja nur wieder bloßstellen…. Menno.

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  2. frauhilde schreibt:

    Um Ironie zu verstehen, bedarf es so eine Art intellektuellen Unterbau …
    (Manche verstehen sie in Zwölf noch nicht; andere bereits in Fünf oder Sechs.)

    Mann, Pi-Er, du postest zu schnell. Da komm ich ja mitm Lesen nimmer hinterher. *hetz* 😀

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    • frauhilde schreibt:

      Verzeih den fehlenden, aber nötigen Genitiv im ersten Satz. Isse spät …

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    • pimalrquadrat schreibt:

      Hm, daran könnte es natürlich liegen. Darf ich aber nicht sagen. Zumindest nicht in den 90 Minuten, in denen Schüler da sind. 😈

      Lass dich nicht hetzen, du bist ja schließlich kein D-Zug. 😉
      Ganz im Ernst, das Lesen des blogs soll ja Spaß machen und nicht in Arbeit ausarten. 🙂

      EDIT: Im Übrigen freut es mich, wenn du hier ab und zu vorbeischaust. 🙂

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      • frauhilde schreibt:

        Kannst das ruhig sagen; 98% der Schüler werden’s ja nicht verstehen …

        Ich schau sehr gerne hier vorbei (und merke, da es syntaktisch und inhaltlich gerade ganz prima passt und ich sowieso heute noch keinen viel zu langen Satz geschrieben habe, mal eben an, dass ich deinereiner verlinkt habe und hoffe, dass du regen Leserzuwachs bekommst); es gibt nur so Phasen, da kommt man um vier heim und isst schnell was und macht ein bisschen Unterricht und so was alles. Und zack, isses halb elf, und der Wecker klingelt um halb sechs, und wer dreht eigentlich abends die Uhr schneller??

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        • pimalrquadrat schreibt:

          Ja, aber es gibt doch den ein oder anderen Schüler, der beim ersten Mal verwundert dreinblickt, und ab dem zweiten Spruch schon mal ein belustigtes Funkeln in den Augen hat, grinst oder mit einem eigenen Spruch kontert. Bei denen hab ich Hoffnung.

          Vielen Dank fürs Verlinken! Die Leserzahlen sind seitdem auch gestiegen. Müssen sich jetzt noch trauen, Kommentare zu schreiben, was bisher nur Tina und du machen. Ich geh das aber (noch? XD ) ziemlich entspannt an.
          Ich find es selbst auch ziemlich spannend, weil ich nie ein Tagebuch oder so geführt habe. Seine Gedanken aber zu verschriftlichen, so fällt mir auf, hilft beim Ordnen und Reflektieren. Und manchmal macht es auch Spaß. 🙂

          Solche Phasen sind natürlich übel für jede Form von sozialem Leben. Bekomm ich auch von Freunden mit, die dann immer erst in den Ferien richtig auftauchen und nach Luft schnappen können. Schule geht halt vor.
          Deswegen, kein Stress, und wenn es mal viel zu lesen ist: für ruhigere Zeiten aufheben. 😉

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  3. frauhilde schreibt:

    Was die Kommentare angeht: Hab einfach Geduld. Ich glaube, bei mir hat es Wochen gedauert, bis das erste Mal kommentiert wurde. Und in den ersten beiden Monaten hatte ich insgesamt keine hundert Zugriffe. Dauert halt alles ein bissel.

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