Die „Hunger“-Spiele

Eigentlich wollte ich es zu Beginn noch ruhig angehen lassen und mich erst einmal zurechtfinden in der schönen Welt der Blogger. Hier und da den ein oder anderen Leser gewinnen und erst danach, schön langsam und in kleinen Dosen, etwas über Bücher, Videospiele und Filme schreiben, die ich besonders toll oder besonders schlecht finde.

Tja, und dann kommt da das aktuelle TV-Programm dazwischen, und so hab ich ein viertel Auge auf dem Fernsehbildschirm und den Rest (Sieben Viertel Augen für Nicht-Bruchrechner 😉 ) auf diesem Eintrag. Zusammen zwei Augen befassen sich also mit den Tributen von Panem. Was ganz gut passt, da ich das Buch vor nicht allzulanger allzu langer Zeit gelesen habe. Ich werde mir damit ganz sicher keine Freunde machen, aber es war eine Qual! Ein Kampf, jede Seite Kreis gegen Wort und Druckerschwärze. Nicht, weil die eigentliche Geschichte mies wäre oder die Idee einer dergestalten Dystopie nicht ihren Charme hätte.  Die Idee einer postapokalyptischen Welt, in der Massenveranstaltungen dazu dienen, Menschen gefügig zu machen, finde ich ganz sicher nicht schlecht in einer Welt, in der derdiedas SupertalentStarModel nur eine Sendung entfernt ist und Dokutainment in keinem Nachmittagsprogramm fehlen darf (ganz anders als ein gutes Programm für Kinder und Jugendliche).

Was aber macht Panem dann verkehrt, damit ich dem Buch einen so fiesen Eintrag widme? Lesen auf eigene Gefahr, es wird gespoilert. 😉

Hunger: Katniss und ihre Familie leiden argen, schrecklichen Hunger. Das wird sie nie müde, uns in Erinnerung zu rufen. Der ganze Distrikt 12 leidet fortwährend Hunger, alle hätten gerne mehr zu essen, sind mager, leiden und haben Hunger. „Lass die beiden [Katniss‘ Schester und Mutter] nicht verhungern“ sind Katniss‘ letzte Worte an Gale im Film (läuft gerade, Dankeschön 😀 ) bzw. der Vorsatz von Peetas Vater im Buch, um Katniss zu beruhigen.

Tja, wenn man sich das aber einmal genauer anschaut, dann wird schnell klar: Hunger ist das Letzte, woran Katniss leidet. Wieso? Sie ist eine exzellente Bogenschützin, sie trifft ein Eichhörnchen zwischen die Augen. Problemlos. Sie geht Angeln, sammelt Beeren und Wurzeln im Wald. Jeden Tag. Was sie fängt und sammelt, tauscht sie gegen andere Nahrungsmittel wie Brot auf dem Schwarzmarkt ein (und beweist dabei nicht wirklich Geschick, aber sie ist ja erst 16). Reicht noch nicht, um satt zu werden? Nun gut, die Familie verfügt über eine Ziege, die lecker Milch liefert. Reicht immer noch nicht? Die Familie hat einen eigenen Garten, auf dem sie Gemüse ziehen kann. Wer jetzt noch hungert, der sei beruhigt: die Familie hat noch mehr! Bei der alljährlichen Tributauslosung kommt für jeden Jugendlichen zwischen zwölf und 18 ein Los (pro Lebensjahr über 11. D.h. eines mit zwölf, zwei mit 13, usw.) in den Topf. Wer Hunger leidet, kann seinen Namen ein weiteres Mal reinwerfen  lassen und erhält dafür eine „knapp bemessene Jahresration“ Getreide und Öl. Tjoa, und das geht nicht nur einmal, die gute Katniss wirft ihren Namen drei zusätzliche Male pro Jahr in den Lostopf, damit sie, ihre Schwester und ihre Mutter je eine Jahresration erhalten. Wer hat jetzt noch Hunger?

 

Die Spiele selbst: Worum geht es also bei den Hungerspielen? Eine Art Battle Royale (so heißt übrigens auch ein japanischer Roman, von dem sich die Panem-Autorin wohl inspirieren ließ), 24 Kinder in einer Arena, die sich gegenseitig umbringen. Der Gewinner? Es kann nur einen geben. Da treffen also 24 Kinder im Alter von zwölf bis 18 aufeinander, mit verschiedenen Hintergrundgeschichten (die nicht näher beleuchtet werden, mit einer Ausnahme) und aus verschiedenen Milieus. Besonders böse sind die Karrieretritube, d.h. Jugendliche, die in ihrer Heimat gezielt darauf trainiert werden, die Spiele möglichst zu gewinnen. Ist ja auch voll böse, jedes Jahr gezielt zwei Kinder vorzubereiten, anstatt dem Zufall zwei wehrlose Knirpse anzuvertrauen. Wie dem auch sei, es ist natürlich schrecklich, andere Kinder abzumurksen. Daran erinnert uns Katniss regelmäßig.

Widersetzt sie sich also dem System? Nöp. Nach dem ersten, von den Karrieretributen angerichteten, Gemetzel tötet sie mittels Wespennest zwei Mittribute. Mitleid, Mitgefühl, Reue, Reflektion? Pustekuchen. Die Kinder sind tot und vergessen. Besonders prickelnd, da Katniss selbst gestochen wird und schrecklich unter dem Wespengift leidet. Man könnte ja meinen, dass sie erst mal ums Überleben kämpft und die Morde erst danach verdauen muss/kann/soll, aber nix da. Die beiden namenlosen Kinder tauchen nicht mehr auf. Wer auftaucht, ist Rue, ein kleines Mädchen, mit dem sich Katniss verbündet. Und bereits im selben Augenblick daran denkt, dass sie Rue töten muss, um zu gewinnen, und ihre Allianz nur vorübergehend ist. Katniss, die ja die Erzählerin ist, wird nie müde, daran zu erinnern, wie süß, klein und unschuldig Rue ist. Und nie müde, immer gleich hinterherzuschieben, dass sie sie töten muss. Nachdem die Kleine dann tatsächlich von einem anderen Jungen getötet wird, bringt Katniss wiederum ihn um. Erneut: es bleibt ohne Konsequenzen, sie denkt nicht einmal daran, dass sie bereits drei Kinder getötet hat. Böse sind einzig die anderen Mittribute.

Ihr letzter Mord ist übrigens ein Akt der Gnade, als ein besonders fieser „Karriero“ von genetisch mutierten Viechern zu Brei geprügelt wird, beendet sie sein Leid mit einem gut gezielten Pfeil.

 

Widerstand gegen das System: Katniss wird als Rebellin stylisiert. Wieso? Nun ihre Rebellion beginnt damit, Essen statt mit Besteck lieber mit den Händen zu mampfen. Warum? Weil die Leute aus dem Kapitol meinen, die Bewohner aus Distrikt 12 seien Wilde im Vergleich zu ihnen. Naja. Kann ja noch besser werden. Bei den anstehenden Werbeveranstaltungen und Interviews rebelliert sie deutlich mehr, immerhin lässt sie sich fein herrichten und spielt das Spiel mit, so gut es geht. Total rebellisch. Gut, als sie vor den „Sponsoren“ ihre Talente vorführen soll, um eine gute Bewertung zu erhalten, spießt sie den Apfel im Maul eines gerösteten Schweines mit einem guten Bogenschuss auf. Ok, warum nicht.

Könnte ja besser werden, wenn sie sich in den Hungerspielen selbst verweigert und ihre Gegner etwa nur entwaffnet, fesselt und lebend(!) irgendwo unterbringt.  Nö, stattdessen überredet sie Peetadazu, gemeinsam mit ihr Selbstmord zu begehen, damit diese Hungerspiele gar keinen Sieger haben. Und DAS ist ja wohl der totale Akt der Rebellion. Gut, im Film geht es gerade um diesen Aspekt. Präsident Snow erklärt gerade, dass es einen Überlebenden brauche, damit die Distrikte weiterhin Hoffnung hätten, anstatt nur gedemütigt vor sich hin zu leben. Ändert nichts daran, dass eine Partie ohne Überlebenden nicht weiter schlimm wäre. Würde schon reichen, wenn das Kapitol Distrikt 12 zum Sieger erklärt, und der Tod der beiden wäre harmlos geworden.

 

Die Technologie und die Distrikte: Wie man recht schnell erfährt, ist Distrikt 12, Katniss‘ Heimt, für die Förderung von Kohle verantwortlich. Wozu Panem aber Kohle braucht, und warum diese von Minenarbeitern ohne schweres Gerät gefördert werden muss, wird nicht näher erwähnt. „Für Züge“, kommt vielleicht ein Vorschlag. Naja, der Zug, den Katniss nimmt, fährt mit über 280 Km/h, was deutlich schneller ist, als die schnellste Dampflok hinbekommt. Die Hovercrafts des Kapitols werden sicher nicht mit Kohle durch die Gegend schweben. „Energieerzeugung“, könnte man nun vorschlagen. Gut, aber wenn das Kapitol über Technologie verfügt, die Katniss‘ Haut völlig reinigt und heil und wiederherstellt, und dabei jede noch so kleine Narbe oder Schwiele beseitigt, wenn das Kapitol in der Lage ist, genetisch modifizierte Killerwespen zu produzieren und die gefallenen Tribute in nur wenigen Stunden zu genetisch modifizierten Monstern heranzuzüchten, dann stellt sich die Frage: Kohle?! Ernsthaft?

 

Naja, vermutlich liegt das nur daran, dass ich nicht der Zielgruppe angehöre. Führt aber dazu, dass ich einen großen Bogen um die folgenden Bände machen werde, die wohl qualitativ nicht besser werden, wie ich gehört hab. Gut möglich auch, dass viele der hier bekrittelten Dinge in den Folgebänden behandelt werden, ich lass mich da gerne aufklären, ohne deswegen weiterzulesen.

 

Und das war er auch schon, mein erster Beitrag als Bücherwurm! *Jubel, Tusch und Engelschöre!* :mrgreen:

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