Kein Rechtschreibprogramm…

Das ist eine der Begründungen, mit denen eine Studentin im vierten(!) Semester ihre katastrophal schlechte Hausarbeit erklärt. Genaueres findet sich zum Bleistift hier.

Nicht falsch verstehen, die erste wissenschaftliche Hausarbeit ist ein ziemlicher Meilenstein im Leben eines Studenten. Schreiben, die Angst vorm leeren Blatt. Hirnverrenkungen, um möglichst gescheit zu formulieren. Arbeiten mit Literatur, manchmal auch dann, wenn es zum Thema wenig bis keine gibt. Das sind Hürden, die einem durchaus Angst einjagen können.

Mir haben sie das damals auch, und meine erste Hausarbeit war, rein wissenschaftlich betrachtet, absoluter Murks. Ich habe es, ähnlich wie die Dame in besagtem Artikel, geschafft, weitestgehend ohne Sekundärliteratur auszukommen. Eigentlich eine Todsünde, und rückblickend sehe ich das auch so. Damals aber erschien es mir nur naheliegend, denn mein Thema war brandaktuell und dazu gab es keine Literatur. In meinem jugendlichen Irrsinn kam ich nicht auf die Idee, auch mal abseits der exakten Thematik zu suchen. Nicht zuletzt auch, weil ich zeitbedingt das Tutorium zum wissenschaftlichen Arbeiten nur unregelmäßig besuchen konnte. Ist halt blöd, wenn sich das mit anderen Veranstaltungen überschneidet. Glücklicherweise hat es sich, wie bei der jungen Studentin im Artikel, dann doch noch ergeben, bei mir bereits im zweiten Semester. Auch wenn ich bis heute immer bis ganz zuletzt warte, um meine Arbeiten auch wirklich zu schreiben – vermutlich, weil ich einfach den Termindruck brauche – bin ich mittlerweile selbstbewusst genug, um von mir zu behaupten, dass ich (wissenschaftlich) schreiben kann. Was sich übrigens auch an meiner ersten Hausarbeit zeigt, denn die herausgearbeiteten Punkte finde ich noch heute, mit einigen Jahren Abstand, gut, schlüssig und auch treffend. *schulterklopf*

Was mich jedoch fasziniert, sind andere Umstände. Wieso kann man vier Semester studieren, bevor man die erste Hausarbeit verfassen muss? Gut, in Mathe hat man gar keine benötigt, aber ich finde es da fast schon zu spät, zumal in einem so durchgeplanten System, wie es Bachelor und Master seit Bologna nun einmal sind. Früher, als die Welt noch jünger, schöner und schlicht besser war, da hat es niemanden geschert, wie die ersten Hausarbeiten waren und man hatte durchaus Gelegenheit, zu experimentieren, zu probieren und sich auch mal den ein oder anderen Fehltritt zu erlauben. Und nun? Im vierten Semester zum ersten Mal wissenschaftlich arbeiten, obwohl man zwei Semester später die Bachelorarbeit verfassen soll? Mir erscheint das arg gewagt.

Dazu kommt die liebe Rechtschreibung. Klar, wir machen (fast) alle Rechtschreibfehler, und oft genug vertippt man sich auch einfach im Eifer des Gefechts. Passiert jedem mal. Aber es macht ganz sicherlich einen Unterschied, ob einem in einem Wort ein Buchstabe reinrutscht, der auf der Tastatur nun mal „ungünstig“ liegt, oder ob man einfach keine drei Wörter hintereinander gerade schreiben kann. Letzteres scheint in der eingangs erwähnten Hausarbeit eher der Fall gewesen zu sein. Die Begründung lässt einen dann doch aufhorchen: Das Rechtschreibprogramm habe gefehlt. Wirklich?! In Zeiten, in denen Word einem alles und jeden anstreicht, der bei Drei nicht im Duden sitzt? In Zeiten, in denen man zwölf Jahre lang eine Schule besucht hat, und dies mit einem Abiturzeugnis belegen kann? Trotz Duden online?

Das finde ich verstörend! Und erinnert mich an Leute, die trotz Abitur und eines mathematisch angehauchten Studienganges nicht wissen, wie man die Mitternachtsformel benutzt, die keinen Plan haben, wo die „0,3“ bei der Berechnung des Kilometergeldes herkommen, oder die schlicht mit dem handschriftlichen Verfassen eines längeren Mitschriebs überfordert sind und über Schmerzen klagen.

Versteht mich nicht falsch, manche dieser Dinge sind kein Muss, und natürlich darf sich jeder darauf zurückziehen, dass wir in einer googleisierten Gesellschaft leben, in der man nur noch wissen muss, wie man Smartphone plus Suchfunktion bedient. Aber ich finde das lächerlich, wenn Grundfähigkeiten dermaßen mangelhaft vorhanden sind. Und wenn es an Willen und Einfallsreichtum fehlt, sich selbst zu helfen.

Wer an einer Uni eine Vorlesung im Bereich Sprach-/Literaturwissenschaft besucht hat, weiß, dass Skripte ein Luxus sind, und wie schwer es ist, schnell und lesbar und vollständig mitzuschreiben. Dabei weiß man auch, wie rasch man sich Abkürzungen angewöhnt, um dieselben Infos schneller und mit weniger Schreibaufwand protokollieren zu können. Ihr wollt nicht wissen, was ich alles im Laufe meines Studiums an Abkürzungen gefunden habe, um genau diesen Schreibaufwand zu minimieren. Heute sitze ich da und bin längst fertig mit einem vollständigen Aufschrieb, während meine Kollegen neben mir sitzen und wahlweise Kommentare in ihre PDFs einfügen und damit kaum begonnen haben, oder versuchen, jedes einzelne Wort mitzuschreiben, und entsprechend nie fertig werden. Oder die versuchen, Schaubilder 1:1 abzuzeichnen inklusive Lineal und Bleistift, obwohl es eine Skizze mit den notwendigen Beschriftungen auch tut.

Gut, das klingt mal wieder so, als ob ich mich für besser halte, als ob ich mir etwas darauf einbilde, nicht so zu sein. Vielleicht stimmt das ja auch. Aber es sollte nicht den Blick aufs Wesentliche verstellen: Welche Fähigkeiten erwarten wir von Mitgliedern unserer Gesellschaft? Und bis zu welchem Grad können und sollten wir tolerieren, dass diese nicht vorhanden sind? Wenn in Berlin Polizeianwärter so schlechtes Deutsch können, dass sie per Nachhilfe fit gemacht werden sollen, und wenn Grundschüler schon Schwierigkeiten haben, nach vier Jahren halbwegs zu lesen, zu schreiben und zu rechnen, dann kommt es mir so vor, als ob sich da was zusammenbraut, was nicht gut gehen kann. Und da hilft es auch nicht, wenn der tausendste Artikel zum Thema Digitalisierung im Unterricht erscheint, aus dem sich letztlich schließen lässt, dass Schule per digitalem Multiple Choice  gameifiziert werden soll, anstatt Verständnis, Ausdrucksweise und Kreativität zu fördern und zu fordern.

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Zwei Seiten einer Medaille

China.

Deutschland.

 

Irgendwie alles zum Kübelnm irgendwie alles vorhersehbar. Und während anlässlich der Übergriffe durch Weinstein, Spacey und wie sie alle heißen, zurecht über die Täter diskutiert wird, heißt es bei solchen Ereignissen immer nur „Die sind nicht alle so“, „Einzelfälle“, „Deutsche sind Rassisten“, „Deutsche haben das schon immer getan“, etc. pp.

 

Vermutlich braucht es einfach nur endlich flächendeckend die neuen Berliner Polizisten. Die können kein Deutsch, vielleicht auch nicht schwimmen, aber die sind immerhin in der Lage, sich in der Sprache der Täter mit diesen über die Opfer lustig zu machen.

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Unverständlich

Manchmal wundere ich mich über unsere Medien. Frage mich, wie sie entscheiden, was berichtenswert ist und was nicht.

Beispiel Jemen. Dort tobt seit mindestens zwei Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen Rebellen, der Regierung sowie einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition. Doch während selbst Ableger von Al-Kaida in Syrien als gemäßigte Rebellen geführt werden und der Diktator Assad in jedem nur erdenklichen schlechten Licht dargestellt wird, herrscht lautes Schweigen zur Lage im Jemen. Und auch jetzt, wo dort hundertausend Menschen und mehr Gefahr laufen, Hunger zu leiden und daran zu sterben, beläuft sich die Berichterstattung darauf, dass Rebellen gegen die international anerkannte Regierung kämpfen. Frei nach dem Motto: Wir, der gute Westen, finden die dortige Regierung toll, die Saudis sowieso, also sind alle anderen böse.

Fein.

Beispiel Berlin und die Polizei.

Ich weiß gar nicht mehr, was ich davon halten soll, denn wenn auch nur ein Teil davon stimmt, wäre das ein katastrophales Zeichen für den Zustand Berlins. Anwärter, die kaum Deutsch können – es war zu lesen, ihre Kenntnisse seien „ungenügend“, was der Schulnote 5 entspricht. Zur Erinnerung, alles schlechter als 4 ist normalerweise durchgefallen. Anwärter, die Probleme mit Disziplin und Respekt haben – aber vermutlich eine enorme Ehre besitzen. Anwärter mit zweifelhaftem Frauenbild. Anwärter, die nicht schwimmen können.

Für manche Medien ist das aber nur ein ganz schönes Beispiel für Fake News. Einige der Verantwortlichen haben sich geäußert und das alles dementiert, insofern ist die Sache erledigt. Weshalb wohl auch gar nicht über die Praktikantin berichtet wird, die polizeiinterne Fahndungsphotos nach draußen weiterleitet. Und ja, auch sie gehört zu einer arabischen Großfamilie. Oder von der  Polizeivizepräsidentin Koppers, die für den gesundheitsschädigenden Zustand Berliner Schießstände verantwortlich ist, und sich von einem Anwalt vertreten lässt, der – sicherlich rein zufällig – arabische Clans vertritt.

 

In einer Welt, in der jeder Furz der AFD frisch aus der Unterhose berichtet wird, in der wir vermutlich noch Monate ohne Bundesregierung verbringen werden, in der keine Woche vergeht, in der eine Joggerin belästigt, misshandelt, vergewaltigt wird (sucht das mal bei der Zeit oder dem Spiegel. Spoiler: Gibt nüscht), scheint es wohl wirklich nicht genug Probleme zu geben. Unverständlich bleibt mir, nach welchen Kriterien berichtet oder verschwiegen wird.

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Aller guten Dinge…?

Kaum zu glauben, aber es sind schon drei Jahre vergangen, seit dem ich angefangen habe, hier zu schreiben. Drei Jahre! Dabei kommt es mir vor, als sei es gestern gewesen, dass ich mich an das Erstellen des Layouts und die ersten beiden Beiträge gemacht habe. Und in der Zwischenzeit kamen ja auch etliche dazu, mal mehr, mal weniger regelmäßig, mal mehr, mal weniger gehaltvoll, und nicht zuletzt, mal mehr, mal weniger gut.

Auch die Themen waren bisher recht vielfältig, von Eintagsfliegen zum Thema Bücher/Serien/Filme hin zu Reihenbeiträgen – die 31 Wochen, umgemünzt auf Tage, waren schon eine feine Sache – hin zu alltäglichen Erlebnissen mit Schülern, Bahnen und Mitmenschen war viel vertreten. Dazu kommen Mailfreundschaften, die jetzt auch bereits einige Zeit andauern. Und ich durfte sogar zwei meiner Mitblogger persönlich kennenlernen, namentlich die singende Lehrerin und das Zeilenende, das ja quasi mein Nachbar ist. Müssen wir unbedingt wiederholen. 😉

Zuletzt war hier ja deutlich weniger los, was mehrere Gründe hat. Schüler begegnen mir nur noch unterwegs, und obwohl sie auch da hin und wieder unterhaltsame, verstörende oder witzige Dinge von sich geben, taugt das nicht für einen Blogbeitrag. Der berufliche Alltag auch nicht, denn zwischen den Ereignissen, die einen Wiedererkennungswert besitzen, durchwachsenen Veranstaltungen und Dozenten und dem alltäglichen Genöle über Vorlesungen passiert auch da nicht viel.

Um das dreijährige zu feiern, kommen die Tage vermutlich auch noch ein paar Sachen, bevor ich mich zwecks Prüfungsphase verkrümle und dann den Endspurt bis Weihnachten starte, aber dazu dann mehr, wenn sich alles so entwickelt wie gewünscht.

Und bis dahin danke ich euch für drei tolle Jahre, die es so ohne euch ganz sicher nicht gegeben hätte. 🙂

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Ernüchternd

Oder vielleicht doch eher erschreckend? Wie sonst soll man die Ergebnisse bezeichnen, die heute publik wurden?

Satte zehn Prozent der Grundschüler erreichen jeweils in den BereichenLesen, Zuhören und Mathematik nicht die Mindestanforderungen, über zwanzig(!) Prozent nicht im Bereich Orthographie! (Übrigens die Krätze über Wörter wie Orthografie!)

Da bleibt einem doch die Spucke weg, jedes fünfte Kind kann also nicht gescheit schreiben, eines von zehn weder richtig lesen noch rechnen? Wie soll es mit diesen Kindern dann weitergehen? Alle trotzdem aufs Gymnasium, da sie sowieso hochbegabt, aber nur missverstanden und verkannt sind? Oder vielleicht doch eher ein Leben am Rande der Gesellschaft, am Rande der Legalität?

Natürlich sind die Kinder hier nicht das Problem. Nur: Die Lehrer sind es ganz sicher auch nicht. Denn wer zusätzlich zum normalen Unterricht auch noch Inklusion und Integration wuppen muss, ohne zusätzliche Unterstützung durch geschultes Personal, wer Kindern zur Einschulung die deutsche Sprache beibringen muss, wo vor zwanzig, dreißig Jahren zur Einschulung jedes Kind eben diese bereits konnte und „nur“ noch der systematische Zugang sowie Vokabularerweiterung für den mündlichen Gebrauch notwendig waren, der steht vor allem vor einem: Dem Burnout.

Das Versagen sitzt deutlich höher. Wo bleiben flächendeckende Kindesbetreuung, kostenlose Kindergärten in staatlicher Trägerschaft, deren Besuch verpflichtend ist, in denen regelmäßig spielerisch Wortschatz etc. getestet werden und bei Bedarf Kinder zu zusätzlichen Förderstunden geschickt werden können? Denn eins ist klar: Ohne die Sprache zu beherrschen, kann man sich schulischen Erfolg abschminken. Also sollte ein Land ohne Rohstoffe doch alles daran setzen, dass zumindest dieses Mindestmaß an Anforderungen von allen Kindern erfüllt werden kann… oder?

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Kein Mitleid.

Ich bin gerade erkältet, und hüte zu Hause wahlweise die Couch, oder wenn diese mir zu kalt wird, das kuschelige Bett. Nicht so prickelnd, wobei, eigentlich prickelt es ja überall, gerade weil mir kalt ist.

Was macht man also an so einem Tag, den man erzwungenermaßen in heimischen Gefilden verbringt? Richtig, man liest Nachrichten….

Sehen wir mal davon ab, dass Nahles der Regierung „auf die Fresse geben“ will und sich niemand daran zu stören scheint, und auch davon, dass die Bayern desolat gespielt haben, was ich nicht ausschließlich dem Trainer anlasten mag. Es bleibt ein Artikel, der mich wütend macht.

Eine 31-jährige Frau, die sich dem IS angeschlossen, einen Islamisten geheiratet und drei Kinder auf die Welt gesetzt hat, wurde gestellt und bettelt nun darum, zurück nach Deutschland kommen zu dürfen. Und alles in mir ruft: Bleib gefälligst, wo du bist!

Wer sich mit 28 dem IS anschließt, ist weder hilflos noch unzurechnungsfähig. Wer einen Islamisten heiratet und drei Jahre lang dem IS angehört und diese Mörderbande unterstützt – wovon auszugehen ist – der hat in meinen Augen weder Mitleid noch eine zweite Chance verdient. Jetzt, wo der Arsch auf Grundeis geht, zurück ins achso schöne Deutschland wollen, wo all die Ungläubigen leben, die man noch vor einigen Wochen oder Monaten mit größter Freude abgeschlachtet hätte? Klar, natürlich. Am besten gleich noch mit Bundesverdienstkreuz.

Bei solchen Menschen – um nicht andere Begriffe zu benutzen – platzt mir die Hutschnur. Wo war das Mitleid dieser Frau, als die Jesiden massakriert, vergewaltigt und versklavt wurden? Wo blieb ihr Mitleid da, wo ihre Menschlichkeit?

Richtig, sie hatte keine.

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Wahl der Qual

So, geschafft. Stimme ist abgegeben. Bei euch hoffentlich auch?

Dann warten wir mal ab, wie die Zahlen heute Abend lauten werden, und wie lange es dauert, bis sich die Parteien darüber einig sind, dass es weitere vier Jahre Große Kotze geben wird.

 

Ich mach mir jetzt einen schönen Sonntag und versuche, vorerst nicht mehr dran zu denken. Man liest sich!

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